Kunst zum Leben
Als Angela Merkel im September 2015 mit leichtherzig blauäugigem Lächeln verkündete «Wir schaffen das!», kam das für Delschad Numan Khorschid genau zwölf Jahre zu spät. Vielmehr hatte er es bereits selbst geschafft – auf gefährlichsten Wegen, über weite Strecken allein aus dem östlichen Irak bis an eine Berliner Schauspielschule. Die erste Schule überhaupt, die er – und auch dies erst nach vielen Hindernissen – in seinem Leben besuchen durfte.
Der letzte Schritt bis auf die Bühne des Münchner Residenztheaters, wo er seit 2019 Ensemblemitglied ist, war im Vergleich dazu nur noch ein Hüpfer, wenn auch ein glücklicher, ein Ankommen, endlich, an einem Ort, der Ausdruck und Kommunikation ermöglicht, Teilnahme und Sichtbarkeit als Schauspieler und als Mensch. Wenn er dort zuletzt als Prinz von Verona in Elsa-Sophie Jachs «Romeo und Julia»-Inszenierung die Kampfhähne der zerstrittenen Familien zurechtweist, mit freundlicher Gelassenheit und sonorer Autorität in der Stimme, ist von all der Angst, Isolation und Unsicherheit, dem jahrelangen Warten auf eine Möglichkeit zu leben nichts zu spüren.
Aber in seinem Kopf ist alles präsent und will erzählt werden: eine Fluchtgeschichte, wie sie ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Akteure, Seite 40
von Silvia Stammen
Agaue
Teiresias
Kadmos
Pentheus
Dionysos
Boten
Jemand
Stimmen
Chor
1
(Stimmen.)
Haben wir kein Essen mehr
Doch, aber nur ein Viertel für jeden
Das reicht mir aber nicht
Dann geh raus und hol dir was
Hier drinnen ist alles rationiert
Aus guten Gründen
Ich kann nicht
Draußen ist etwas
Dann bestell dir was
Bestell’s dir irgendwoher, wie du magst, die Welt ist klein
...
Man könnte Mesut Özil einiges vorhalten. Vielleicht, dass er sich als Fußball-Ausnahmetalent nicht auf sein Ausnahmetalent beschränkt, sondern ikonische politische Statements veröffentlicht hat. Dass er sich 2018 mit dem türkischen Präsidenten Erdogan hat fotografieren lassen, nachdem der gerade sein Land in ein autoritäres Terrorregime verwandelt, Tausende...
Es beginnt mit einer Absage. «Sorry», sagen die beiden israelischen Theatermacher Ido Shaked und Hannan Ishay, «aber unser Stück kann leider nicht stattfinden». Die Bühne im Leipziger «Westflügel» sieht aus wie ein Probenraum nach dem letzten Brainstorming, mit Stühlen, Stelltafel und einer Leiter, auf der ein palästinensisches Fußballtrikot platziert ist...
