Un-, un-, un-
Einen zitatfreudigeren Theaterkritiker als Andreas Wilink kennt die deutsche Theaterlandschaft nicht. Der langjährige Kritiker (auch dieser Zeitschrift), Mitbegründer und bis 2018 Leiter des NRW-Kulturmagazins kultur.west, lebt und schreibt in den Echoräumen von Literatur, Film und Theater. Das und vieles mehr hat er mit dem namenlosen Ich-Protagonisten seines ersten Romans gemeinsam, der «Erzählung eines Lebens und was darin fehlt».
Es ist die Erzählung eines Lebens, in dem auf den ersten Blick vor allem Fülle herrscht.
Ein begabter junger Mann, der früh in der Welt herumkommt, prominente Menschen trifft und sich mit ihnen anfreundet, in der Kulturkritik ein geachteter Kollege ist. Und doch umgeben vom un-, un-, un-. Mit der Vorsilbe un- lässt sich jedes schöne Wort in ihr hässliches Gegenteil verkehren: unwahr, unfair, ungenau, un -geplant, ungewollt, unwert, unbedarft. Vor allem aber: ungeliebt. Das Ich dieses Buches hat sein Leben mit sich allein verbracht, und jetzt, nach vielen Jahrzehnten und ausgelöst durch eine letzte große, unerfüllte Liebe zu einem 30 Jahre jüngeren Mann, geht es auf die Suche, auf den Grund.
Und der beginnt in der Kindheit, im Abgrund wohlsituierter ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Bücher, Seite 50
von Barbara Burckhardt
Pläne der Redaktion
Richard Foreman war ein halbes Jahrhundert lang New Yorker Avantgarde. Sein ontological-hysteric Theater, ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Text, Figur, Requisit, Ton und Musik, hat schon dekonstruiert, bevor es den Begriff gab. Eine Erinnerung
Die Neuen kommen: In Nürnberg hat Lene Grösch das Schauspiel übernommen, in Freiburg heißt der...
Auslöschung und Vernichtung, Zerfall und Sinnlosigkeit. Wer einen allgemeinen Eindruck von den Klassikern österreichischer Dramatik im späten 20. Jahrhundert gewinnen möchte, muss sich nur der Spielplandramaturgie der Wiener Burg zuwenden. Im Abstand von zwei Oktobertagen hat man hier Premieren von Thomas Bernhards «Auslöschung. Ein Zerfall» und Werner Schwabs...
Agaue
Teiresias
Kadmos
Pentheus
Dionysos
Boten
Jemand
Stimmen
Chor
1
(Stimmen.)
Haben wir kein Essen mehr
Doch, aber nur ein Viertel für jeden
Das reicht mir aber nicht
Dann geh raus und hol dir was
Hier drinnen ist alles rationiert
Aus guten Gründen
Ich kann nicht
Draußen ist etwas
Dann bestell dir was
Bestell’s dir irgendwoher, wie du magst, die Welt ist klein
...
