Un-, un-, un-
Einen zitatfreudigeren Theaterkritiker als Andreas Wilink kennt die deutsche Theaterlandschaft nicht. Der langjährige Kritiker (auch dieser Zeitschrift), Mitbegründer und bis 2018 Leiter des NRW-Kulturmagazins kultur.west, lebt und schreibt in den Echoräumen von Literatur, Film und Theater. Das und vieles mehr hat er mit dem namenlosen Ich-Protagonisten seines ersten Romans gemeinsam, der «Erzählung eines Lebens und was darin fehlt».
Es ist die Erzählung eines Lebens, in dem auf den ersten Blick vor allem Fülle herrscht.
Ein begabter junger Mann, der früh in der Welt herumkommt, prominente Menschen trifft und sich mit ihnen anfreundet, in der Kulturkritik ein geachteter Kollege ist. Und doch umgeben vom un-, un-, un-. Mit der Vorsilbe un- lässt sich jedes schöne Wort in ihr hässliches Gegenteil verkehren: unwahr, unfair, ungenau, un -geplant, ungewollt, unwert, unbedarft. Vor allem aber: ungeliebt. Das Ich dieses Buches hat sein Leben mit sich allein verbracht, und jetzt, nach vielen Jahrzehnten und ausgelöst durch eine letzte große, unerfüllte Liebe zu einem 30 Jahre jüngeren Mann, geht es auf die Suche, auf den Grund.
Und der beginnt in der Kindheit, im Abgrund wohlsituierter ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Bücher, Seite 50
von Barbara Burckhardt
Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?» Die Grundfrage der Philosophie nach Martin Heidegger lässt sich profan beantworten, etwa von Physikern: Weil es den Urknall gab. Oder von Logikern: Die Frage ist falsch gestellt, das «Nichts» ist Quatsch, es gibt nur Prädikate von Seiendem. Oder aber vom Künstler: Es gibt etwas, weil es die Einbildungskraft...
Ausgespuckt aus einem dampfenden, runden Schlund werden sie, in das Jenseits hinein, das die Bühne ist – die Zuschauer sitzen im Kreis drumherum und sind schon da im selben Boot. Als die sechs frischen Toten von der Erde hustend über den Rand des kreisrunden Höllentors kriechen, empfängt sie die lässig tanzende Bühnentechnikerin Hollis (Franziska Roth) mit Overall...
Drei Bräute schreiten die Treppe im Hamburger Malersaal hinab, mit ordentlich Tüll und tiefen Dekolletées. Und Richard Wagner begleitet sie dabei, mit «Tristan und Isolde». Auf einem Podest angekommen, erklärt eine der Bräute: Dieser Auftritt sei ein Verweis auf Lars von Triers «Melancholia». Schließlich erzähle der Film von einer depressiven jungen Frau, die das...
