Im Feld der Verhandlung
Theater heuteWorüber wir heute reden wollen, ist gar nicht so leicht zu fassen, denn man begibt sich schon mit dem Sprachgebrauch auf vermintes Gelände. Vorsichtig formuliert haben wir es mit Integrationspolitik zu tun (demonstratives Räuspern von Shermin Langhoff). Die damit verbundene Debatte lässt sich vereinfacht auf drei Positionen herunterbrechen. Die erste ist das sogenannte «Multikulti»-Konzept: Jede Kultur sorgt selbst für ihre Werte und Normen, und wenn es zwischen den Kulturen Ärger gibt, regelt den das Strafgesetzbuch.
Die extreme Gegenposition ist die der sogenannten deutschen Leitkultur, die vorgibt, was richtig ist, und nach der sich alle anderen zu richten haben. Und dazwischen gibt es eine Position der Vermittlung, in der die verschiedenen Kulturen einen universalistischen, für alle geltenden Verhaltens-Bereich aushandeln, der von Sprache bis Kopftuch einschließlich Menschenrechte Unterschiedliches umfassen kann, während den Rest wieder die Einzelkulturen jeweils für sich definieren. Um zu Beginn etwas Übersicht zu schaffen: Welcher Position würden Sie sich jeweils zuordnen?
Shermin LanghoffDie Schwierigkeit, sich da zu positionieren, fängt schon mal damit an, dass ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 9
von Franz Wille, Barbara Burkhard, Eva Behrendt
Zweimal denkt man an England in der Nacht, zweimal sitzt man dabei in Basel, zweimal spielt die Musik, zweimal ist das alles ganz anders. Denn zwei unterschiedlichere Regisseure als Christoph Marthaler und Sebastian Nübling sind kaum denkbar. Sind bei Marthaler die Menschen auf der Bühne immer schon alte, vergrübelte Seelen und alle Männer gewissermaßen die...
Über das Portal meines Theaters», sagte Tankred Dorst vor gut zehn Jahren, «würde ich schreiben: Wir sind nicht die Ärzte, wir sind der Schmerz.» Was ist es, das einen Menschen zum Schreiben bringt? Und wichtiger noch, dafür sorgt, dass er damit nicht aufhört? Über vierzig, fünfzig, sechzig Jahre seines Lebens? Wahrscheinlich ist keine Antwort auf diese Frage...
Seit ein paar Monaten heißt Sesede Terziyan an manchen Abenden Sonia Kelich. Dann sitzen besonders viele Menschen im kleinen Zuschauerraum des stuckverzierten Theatersaals im Ballhaus an der Naunynstraße und verfolgen hin- und hergerissen, wie die kleine Person im korrekten Kostümchen zum dunkelblonden Dutt mit der Pistole in der Hand ein Rudel unbezwingbar vitaler...
