Britische Ansichten
Zweimal denkt man an England in der Nacht, zweimal sitzt man dabei in Basel, zweimal spielt die Musik, zweimal ist das alles ganz anders. Denn zwei unterschiedlichere Regisseure als Christoph Marthaler und Sebastian Nübling sind kaum denkbar. Sind bei Marthaler die Menschen auf der Bühne immer schon alte, vergrübelte Seelen und alle Männer gewissermaßen die feigeren Weiber, so bersten sie bei Nübling stets vor schierer Kraft und hormonsatter Jugendlichkeit, und die Frau ist stets der ärgere Macho.
Man konnte sich im erkaltenden November in Basel nebeneinander einen Marthaler und einen Nübling anschauen, und – wo gibt es das schon! – beide Abende waren klein angelegt und überwältigend in ihrer Wirkung.
Im Marthaler-Sprachlabor
Nehmen wir zuerst von den beiden den älteren Meister, Christoph Marthaler, der zusammen mit Anna Viebrock auf der Kleinen Bühne des Theater Basel einen seiner wohl unbeschwertesten Abende geschaffen hat. Er heißt «Meine faire Dame», was eine extra unbeholfene Übersetzung von «My Fair Lady» ist, dem großen Musical also, dass diesen Winter in Basel mit kühnen Integrationsthesen, Staubsaugerballetten und Rap-Einlagen unter der Regie von Tom Ryser über die ...
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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Simone Meier
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Etwas ist anders im Foyer. Etwas, das uns Minuten zuvor kaum aufgefallen wäre. Weil wir uns an das Andere auf der Straße längst gewöhnt haben. Aber hier, im Freiburger Stadttheater, im Showroom einer mittelgroßen Universitätsstadt, deren Kulturbürgertum ebenso aufgeklärt wie überschaubar ist, bleibt die Anwesenheit des Anderen eine Überraschung....
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