Im Durchhaltedrama
Mit dem Arbeiten ist es ungefähr so. Man tut dies oder jenes, in der Hoffnung, etwas würde danach besser sein als zuvor. Man nimmt ungeordnete Gedanken, schreibt sie auf und hofft, der Sinn möge sich einstellen; nimmt rohe Dinge und hofft, gekocht mögen sie schmecken, trägt Zeug von A nach B und hofft, dort möge es richtig sein. Denn dann wäre alles prima. Fast. Nur kommt dann ein neuer Tag voller Unordnung und Rohheit. Die ganze Sisyphos-Nummer geht von vorne los, heute wieder, morgen wieder, übermorgen aber so was von wieder.
Auf die mentalen und physischen Zumutungen eines (Arbeits-)Lebens im Dauer-Loop antworten die britischen Freie-Szene-All-Stars von Forced Entertainment mit der gefühlt längsten Metapher der Welt: 80 Minuten lang tragen die sechs Performer:innen in der Uraufführung von «Under Bright Light» wortlos Gegenstände von A nach B. Nicht mehr und nicht weniger. Als Bühne dient ein Quadrat aus grasgrüner Auslege -ware, hinten ein weißer Sichtschutz, oben das titelgebende Licht.
Fokussiert wirken die sechs, in ihren blaugrauen Overalls. Sie verziehen keine Miene, wenn der Pappkarton, den eine:r von ihnen eben von vorne nach hinten getragen hat, umgehend von eine:r ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Cornelia Fiedler
Zweimal schon musste die Jury erklären, warum sich keine spontane Flut von Corona-Dramatik über die deutschsprachige Theaterlandschaft ergossen hat. Jetzt, zur dritten Ausgabe der Mülheimer Theatertage seit Pandemie-Beginn, gibt es jedoch ein Stück mit dem sperrigen Titel «Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!»: Elfriede Jelinek, die seit Jahrzehnten an den...
Peter Spuhler war der letzte Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Darin liegt die Ironie am vorzeitigen Aus seiner Amtszeit, zu dem es nach massiver Kritik an seinem Führungsstil kam. Denn durch seine Demission wurde der Weg frei für etwas, das er selbst oft als eines seiner Ziele ausgegeben hat: Das Staatstheater könnte als Institution...
Dann also doch. Am 34. Tag des Kriegs gegen die Ukraine hat Anna Netreb -ko von ihrem Hamburger Medienanwalt ein Statement veröffentlichen lassen, in dem sie immerhin den Krieg in der Ukraine als solchen benannt und verurteilt hat. Sie strebe mit ihrer Kunst «nur Frieden und Einigkeit an» und sei auch nicht mit «irgendeinem Führer Russlands verbunden». Nun ist...
