Im Angesicht der Katastrophen
Politik und Poetik zusammenzubringen, das scheint dieses Jahr eines der großen Anliegen des Kunstfests Weimar unter der künstlerischen Leitung von Rolf C. Hemke. Der Klimawandel und seine Folgen sind dabei das Thema der Stunde und ziehen sich mit vier Produktionen wie ein roter Faden durch das Programm. Doch nicht nur der Umgang mit den kommenden Katastrophen, bei der sich nur noch die Frage des Härtegrades stellt – aktuell liegt die Menschheit stabil auf 3-Grad-Kurs –, sondern auch Themen jenseits des eigenen üblichen Wahrnehmungskreises bieten hier Raum für Entdeckungen.
Formvollendet nimmt sich «Queen-size» von Mandeep Raikhy und dem indischen Sandbox Collective der in Indien immer noch tabuisierten männlichen Homosexualität an. Erst 2018 hat der dortige Oberste Gerichtshof ein Gesetz aus der Kolonialzeit gekippt, das Homosexualität unter Strafe stellte. Raikhy und die beiden Performer Parinay Mehra und Lalit Khata -na nutzen dies als Anlass für eine sehr intim wirkende Performance, die diesen Sommer auf einigen Festivals zu sehen war. Auf engem Raum sitzen die Zuschauer um ein Charpai, ein traditionell indisches Bett, das mit Seilen bespannt ist. Es ist neben einer ...
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Theater heute 11 2022
Rubrik: Festivals, Seite 37
von Torben Ibs
Eine Frau hält sich ein Papier vors Gesicht und in die Kamera, darauf handgeschrieben: «Diese Sendung dauert eine Stunde. Für die weiblichen Schriftsteller sind davon 10 Minuten reserviert. 760 Frauen wurden angeschrieben. Daher bleiben für mich ca. 0,8 Sekunden. Betrachten Sie mich JETZT!» Die Frau lässt das Papier sinken, 0,8 Sekunden ist sie zu betrachten:...
Es ist noch nicht lange her, da fand in München keine wichtige Premiere ohne sie statt, und wenn man im Anschluss in der Kantine des Staatsschauspiels, im Garten des Volkstheaters oder im Blauen Haus der Kammerspiele nicht auf Palaver, sondern auf ein intensives Nachgespräch aus war, manchmal durchaus kämpferisch mit intellektuellen Bandagen, brauchte man sich nur...
Immer wenn es das Establishment mit Gier, Ressentiment und Gewinnmaximierung auf die Spitze treibt – und dabei an seine Grenzen stößt –, wird die Sehnsucht nach einem Ort, der nicht Law and Profit bedient, sondern Fantasie, Gemeinschaftssinn, mitunter auch Rausch und Wahn, besonders groß. Wie ein solches Außen entspannter Anarchie und sorgefreien Dahinlebens zu...
