Ich ist eine Gummizelle
Vier Stück Mensch, in kleinen Kisten abgepackt; vier Fluchten, vier Mal Alptraum pur – das jüngste Stück des Dramatikers Thomas Freyer, Jahrgang 1981 und aus Gera, erzählt mit unerbittlich finstrer Fantasie Geschichten vom Eingesperrtsein im Ich wie im Wir; und letzter Ausweg scheint stets nur der Schritt ins Nichts zu sein: so viel Jugend und schon so viel Tod. So viel Sterbenlernen macht Angst auf der Bühne.
Zwei Geschwisterpaare stehen am Beginn des Experiments, und deren Welten sind schwerst beschädigt und gestört – die von Robert und Marlen durch die Sterbenskrankheit des Vaters und die Flucht der Mutter: Der Sohn pflegt den Alten hingebungsvoll, die Schwester hat sich nach der Implosion der Familie ganz in sich und ihr Zimmer zurück gezogen; der Bruder stellt ihr das Essen vor die Tür und holt dafür einen Eimer mit den Resten ab. Befreundet ist Robert mit Jakob; dessen Mutter hat den Kopf voll Gott und stets einen Bet-Bruder an der Hand, während Vater bloß hohl schwatzt. Jakob ist längst voller Sehnsüchte nach Grenz- und Todeserfahrung; derweil mimt Schwester Mara oben in der Wohnung noch das behütete Töchterchen, mutiert aber unten im Keller zum billigen Flittchen für die ...
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Geboren 1944 zu Sangerhausen in Thüringen, gestorben 2001 in Berlin. Der Regisseur, Schriftsteller, Bühnenbildner, Maler und manische Tagebuchschreiber, der 1976 die DDR verließ, hat in den 80er und 90er Jahren Publikum und Kritik gespalten in rasende Bewunderer und wütende Verächter. Zuletzt arbeitete er vor allem am Berliner Ensemble, am Wiener Burgtheater und...
Nicht, dass wir die Vielfalt männlicher Ausdrucksformen bisher unterschätzt hätten: Hochfrequentiges Beckenkreisen, unterhaltsame Muskelspiele am Waschbrettbauch oder auch die Präsentation irisierender Boxershorts gehören zum gern gesehenen Basisrepertoire auf Theaterbühnen. Den Macho-Posen-Katalog für Fortgeschrittene allerdings, den Monika Gintersdorfer und Knut...
Schon lange fällt auf, dass in der aktuellen Stückeproduktion geschichtliche Zusammenhänge zumeist ausgeblendet werden und der Problemfall «Familie» in der Regel als kurzatmiges Close-up inklusive einer obligatorischen Prise Inzest verhandelt wird.
Marius von Mayenburg dagegen kümmert sich um eine die Generationen übergreifende und das Leben einer Familie...
