Stein des Anstoßes
Schon lange fällt auf, dass in der aktuellen Stückeproduktion geschichtliche Zusammenhänge zumeist ausgeblendet werden und der Problemfall «Familie» in der Regel als kurzatmiges Close-up inklusive einer obligatorischen Prise Inzest verhandelt wird.
Marius von Mayenburg dagegen kümmert sich um eine die Generationen übergreifende und das Leben einer Familie bestimmende Lüge.
Ausgangspunkt ist der Großvater Wolfgang Heising, ein überzeugter Nazi, der das Haus einer enteigneten jüdischen Familie zum Spottpreis erwarb, was wiederum dazu führt, dass die Großmutter kolportiert, ihr Gatte habe der jüdischen Familie das Leben gerettet.
Die Legende funktioniert ganz gut über die Phasen der deutschen Geschichte hinweg und bis hin zum Mauerfall, wenn die Heising-Tochter Heidrun das in DDR-Zeiten enteignete Haus von den aktuellen Besitzern zurückfordert. Die Enttarnung droht erst, als Enkelin Hannah die angeblich vom Großvater gerettete jüdi-sche Familie in den USA besuchen will. Das Stück, könnte man einwenden, schwächelt immer dann, wenn nicht deutlich wird, aus welch unterschiedlichen Gründen einzelne Familienmitglieder die Familienlüge aufrecht erhalten wollen. Auf der anderen Seite hätte ...
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