Ich ist ein Arschloch
Ich bin auch nur ein Arschloch», outete sich Milo Rau unlängst in der Schweizer «Sonntagszeitung». Der Grund, in Kürze: Unser aller eurozentristische Betroffenheitskultur – vulgo: Mitleid – angesichts der weltpolitischen Lage verschiebe real zu führende Debatten in symbolische Entlastungsräume und mache uns somit zu «zynischen Humanisten».
Knackige, aber korrekte Analyse also – zu der «Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs» in der Berliner Schaubühne jetzt sozusagen der Theaterabend ist.
Im Zentrum steht, im gediegenen blauen Strickminikleid, die Schauspielerin Ursina Lardi – und zwar als punktuell an der eigenen Biografie entlang gestrickte Kunstfigur Lardi, welche erst mal ihre produktionsvorbereitende Recherchereise auf der Refugee-Route referiert und bei dieser Gelegenheit auf «klimatisierte Busse» zu sprechen kommt, die sie in einem Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze beobachtet habe und die ihrer Meinung nach aufgrund des «Hipster»-Faktors der Insassen «direkt aus Berlin oder Paris» kommen könnten. Das, so fragt die Kunstfigur Lardi sich – und uns – rhetorisch, solle «die größte humanitäre Katastrophe des Jahrhunderts» sein?
An diesem Punkt kommt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
1. Prozess, nicht Produkt
Wir sind keine Ressource für dein nächstes künstlerisches Projekt. Du magst in deiner speziellen Kunst talentiert sein, aber denke nicht, dass das automatisch zu einem ethischen, verantwortlichen und selbstbestimmten Prozess führt. Beschäftige dich mit der Entwicklungsdynamik von Gruppen, aber bedenke auch, dass es keine absolut...
«Ça ira», so heißt Frankreichs militantestes Revolutionslied, noch vor der Marseillaise. «Ah ça ira, ça ira, ça ira!», skandierten 1790 die Sansculottes, «les aristocrates on les pendra»: Es wird schon gehen, die Aristokraten hängen wir alle auf. «Ça ira (1) Fin de Louis» nennt der Autor und Regisseur Joël Pommerat seinen neuen Abend, den er Anfang November im...
Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen...
