Wien: Das Wetter vor 25 Jahren
Die Spätphase des Harold Pinter war ein langsames Verstummen. Seine letzten Dramen waren kaum noch abendfüllend, manche dauerten nur wenige Minuten. Und als er 2005 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, hatte der englische Dramatiker und Drehbuchautor die Produktion bereits ganz eingestellt. Auch «Party Time» (1991) war in der vom Autor selbst inszenierten Uraufführung gerade einmal 35 Minuten lang. Der Titel erinnert – wohl nicht zufällig – an Pinters erstes großes Stück «The Birthday Party» aus dem Jahr 1958.
Damals wurde ein seltsamer junger Mann von zwei sinistren Herren heimgesucht, die ihn aus unerfindlichen Gründen fertigmachten. Ein mysteriöses Opfer spielt auch in «Party Time» eine Rolle. «Weiß jemand, was mit meinem Bruder Jimmy passiert ist?», fragt eine junge Frau namens Dusty immer wieder.
Das Stück spielt in der Londoner Upper Class, die Partygäste sind Spitzen aus Politik und Wirtschaft, der Smalltalk dreht sich um einen luxuriösen Tennisclub («Da gibt’s einfach alles») oder mondäne Urlaubspläne («Wir mieten eine Insel»). En passant ist auch von Straßensperren die Rede, offenbar herrscht draußen der Ausnahmezustand – was die Mächtigen aber nicht weiter zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Wolfgang Kralicek
«Ça ira», so heißt Frankreichs militantestes Revolutionslied, noch vor der Marseillaise. «Ah ça ira, ça ira, ça ira!», skandierten 1790 die Sansculottes, «les aristocrates on les pendra»: Es wird schon gehen, die Aristokraten hängen wir alle auf. «Ça ira (1) Fin de Louis» nennt der Autor und Regisseur Joël Pommerat seinen neuen Abend, den er Anfang November im...
Stefan, ein beflissener Abendkurs-Deutschlehrer, hat sich hart an die Belastungsgrenze geschuftet. Sein regulärer Job ist dabei nicht das Problem; schweißtreibend sind die ehrenamtlichen Nachtgedanken. «Wie kann ich den Konflikt im Nahen Osten lösen?», kreiselt es im Kopf des Neuköllner Jung-Pädagogen. Seine Schüler, deren Biografien buchstäblich vielseitig mit...
Für wilde Kipp-Momente haben sie in Rostock bekanntlich ein Faible. Intendant raus, Intendant rein (TH 5/2015); Theaterneubau hin, Theaterneubau her; vier Sparten plus zwei nach dem Willen des Intendanten Sewan Latchinian, oder doch – widdewiddewitt – vier Sparten minus zwei nach Bürgerschaftsbeschluss. Es ist der der reinste Klipp-Klapp-Boulevard. Nur ohne Lacher.
...