«Ich höre ein Ungeheuer atmen»

Elfriede Jelineks Rede vom 26. Januar 2024 vor dem Parlament in Wien

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Bei der letzten Demo gegen Rechtsextremismus und Faschismus habe ich es schon gesagt, ich fühle mich seltsam, wie ein Bauchredner – das sage ich jetzt –, der seine eigene Stimme wie eine fremde sprechen läßt, die aber immer schon gesprochen hat.

Ich habe es gesagt, ich sage es jetzt, wie oft werde ich es noch sagen müssen? Dürfen? Walter Benjamin spricht (in «Über den Begriff der Geschichte») von dem seinerzeit berühmten Schachautomaten, der jede Partie gewonnen hat, doch gespielt hat ein andrer, sozusagen ein getarnter Automat, ein kleiner Mann, ein buckliger Zwerg, der ein Meisterspieler war und die Puppe, die angeblich spielte und jede Partie gewann, in Wirklichkeit gelenkt hat.

So komme ich mir vor. Ich sitze seit so vielen Jahren unter dem Tisch, spiele aber immer dieselbe Partie, weil ich sie spielen muß, ich spiele sozusagen unter der Drohung, daß etwas Entsetzliches passieren könnte, wenn ich aufhöre. Damit überschätze ich mich natürlich total. Aber jetzt tritt diese Puppe aus dem Dunkel einer Tischdecke hervor und spricht als sie selbst. Als ich. Ja, Sprechpuppe, das werden sie abfällig sagen.

Besteht da, wie Benjamin sagt, eine geheime Verabredung zwischen den gewesenen ...

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Theater heute März 2024
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Elfriede Jelinek

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