Der gerechte Zorn

Hamburg in den Zeiten des Crashs: Volker Lösch und sein Bürgerchor passen im Schauspielhaus Peter Weiss’ «Marat/Sade» den Verhältnissen an, Stephan Kimmig liefert im Thalia Theater die Einzelfallstudie «Kasimir und Karoline» dazu

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Das wirklich interessante Lehrstück fand im Vor- und Nachspiel zur Inszenierung statt. Wie üblich hatte das Hamburger Schauspielhaus seinen potenten Freundeskreis zu einer öffentlichen Probe geladen, bevor die Premiere  von Volker Löschs «Marat/Sade»-Produktion nach Peter Weiss und mit Hamburger Hartz-IV-Chor Ende Oktober über die Bühne ging.

Im Epilog zum Stück, das Lösch und seine Helden des Prekariats zur flammenden Anklage gegen die zunehmend klaffende Schere von Arm und Reich nicht nur in Hamburg nutzten, las der Chor die Namen von 28 Hamburger Bürgern nebst (Firmen-)Adressen vor, die sie sich aus einer soeben veröffentlichten Liste der «300 reichsten Deutschen» im «Manager Magazin» herausgepickt hatten: wohlbekannte Namen wie Fielmann (1,45 Milliarden), Otto (5,65 Milliarden), Herz (6,1 Milliarden), weniger bekannte, aber kaum weniger wohlhabende von Eckelmann (Container, 550 Millionen) über Claussen (Pharma, 1,15 Milliarden) bis Weisser (Mineralöl, 1,55 Milliarden). Aus dem vorbesichtigenden Freundeskreis dürfte die Stille Post hinausgegangen sein, die vier der Inkriminierten (eher die billigere Liga zwischen 450 bis 650 Millionen) über einen gemeinsamen Anwalt mit ...

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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