Der gerechte Zorn
Das wirklich interessante Lehrstück fand im Vor- und Nachspiel zur Inszenierung statt. Wie üblich hatte das Hamburger Schauspielhaus seinen potenten Freundeskreis zu einer öffentlichen Probe geladen, bevor die Premiere von Volker Löschs «Marat/Sade»-Produktion nach Peter Weiss und mit Hamburger Hartz-IV-Chor Ende Oktober über die Bühne ging.
Im Epilog zum Stück, das Lösch und seine Helden des Prekariats zur flammenden Anklage gegen die zunehmend klaffende Schere von Arm und Reich nicht nur in Hamburg nutzten, las der Chor die Namen von 28 Hamburger Bürgern nebst (Firmen-)Adressen vor, die sie sich aus einer soeben veröffentlichten Liste der «300 reichsten Deutschen» im «Manager Magazin» herausgepickt hatten: wohlbekannte Namen wie Fielmann (1,45 Milliarden), Otto (5,65 Milliarden), Herz (6,1 Milliarden), weniger bekannte, aber kaum weniger wohlhabende von Eckelmann (Container, 550 Millionen) über Claussen (Pharma, 1,15 Milliarden) bis Weisser (Mineralöl, 1,55 Milliarden). Aus dem vorbesichtigenden Freundeskreis dürfte die Stille Post hinausgegangen sein, die vier der Inkriminierten (eher die billigere Liga zwischen 450 bis 650 Millionen) über einen gemeinsamen Anwalt mit ...
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