Hummer und Anti-Dornröschen
Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’ Film «The Lobster» und Ottessa Moshfeghs Roman «Mein Jahr der Ruhe und Entspannung». Das klingt nach Zeitgeist, Unterhaltung, und ob das Ganze darüber hinaus noch etwas zu bieten hat – wird sich zeigen.
Es eröffnet Lucia Bihler mit «The Lobster». Eine smarte Wahl, schließlich ist Lanthimos der letzte Mythologe des Kinos und damit wie gemacht fürs Theater. Seine Filme handeln von Opfern, Schöpfung, Randzonen des Sozialen – am Ende also immer von Beziehungen. Am deutlichsten in «The Lobster». Der Film erzählt von einem «Dating-Hotel», darin sich Singles nach übereinstimmenden spezifischen Eigenschaften – wie etwa Nasenbluten – paaren, wobei als Motivationshilfe folgende Spielregel gilt: Sollte diese Paarung nicht binnen weniger Tage glücken, wird man in ein Tier seiner Wahl verwandelt. David, der Held des Stückes, wählt ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Maximilian Sippenauer
Manchmal programmieren Theater Stoffe passgenau zu politischen, gesellschaftlichen, historischen Schlüsselpunkten. Luk Perceval gelang so etwas vergangenen Januar am Hamburger Thalia Theater mit Hans Falladas «Wolf unter Wölfen»: Eine wütende Landbevölkerung rebellierte da gegen die demokratischen Regeln der Weimarer Republik, und parallel zur Premiere wurden...
Man muss ein wenig ausholen: Am 25. September, dem Vorabend der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Thüringer Landtags, veröffentlicht Björn Höcke auf der Social-Media-Plattform X den Post «Demokratiedämmerung». Darin klärt der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag und Landessprecher der AfD Thüringen seine 144.323 Follower auf, «wie die...
Einmal klebt der Biberkopf dem Franz auf dem Rücken wie ein Beatmungsgerät, als wolle er ihm Energie in den müden, schlappen Körper pumpen. Der Franz hat’s jetzt auch wirklich nötig: Aus dem Täter ist längst auch ein Opfer geworden, der dem kriminellen Sumpf, in dem er nach vier Jahren Gefängnis wieder gelandet ist, nicht entfleuchen kann. Der Großstadtmoloch...
