Hoppeln, watscheln, spreizen

Wu Tsang «Robin Hood» am Schauspielhaus Zürich

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Die Eichhörnchen haben alles vergessen. Ihr Leben ist das eines Rädchens in der entfremdeten Profitmaschine. Geschäftig stellen sie Ährenbündel zusammen, die ihnen der Hund Sheriff als Steuern gleich wieder abnimmt, niemals schaffen sie genug. In alten Liedern singen sie noch von köstlichen Eicheln, eine echte Eiche haben sie nie gesehen. Vor dem Wald haben sie Angst – denn da haust die Anarchie.

Aus dem Wald kommt Robin Hood, «ein echter Fuchs», wie das Personenverzeichnis unterstreicht.

Als klassische Tierfabel legt Wu Tsang ihre «Beast-Ballade» vom edlen Räuber und Rächer der Entrechteten in Zürich an: Eichhörnchen, Hund und Katze auf der gezähmten einen Seite, Eule, Bär und Füchse auf der wilden andern. Der Mensch (oder «Meister», wie ihn Hund und Katze devot nennen) kommt nur als Off-Stimme vor, gleichsam die verinnerlichte Machtinstanz.

Mit Robin Hoods Hilfe emanzipieren sich die Eichhörnchen und finden in den freien Wald, da leben sie fortan ein bewertungsfreies und bewusstes Leben – «Freiheit kann nicht bestehen ohne Achtsamkeit», hält die vegane Eule fest. Am Ende findet sogar der Hunde-Cop zur Einsicht und zum Kollektiv: «Ich war ein böser Hund. Aber ich hatte eine ...

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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Andreas Klaeui

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