Hoffnung im Pop

Theresa Henning schreibt sich in Hannover den CoronaFrust von der Seele – «Der Beginn einer neuen Welt»

Was, wenn die Krise kein Zusammenbruch wäre? Keine Katastrophe, sondern der Anfang von etwas Neuem? Was, wenn die Krise eine Gesellschaft überwinden würde, die gebaut ist auf Abwertung, auf Hass, auf Entfremdung? «Sexualisierte Gewalt, Homophobie, Transphobie!», kann alles weg. Und die neue Welt, die dann beginnt, wäre eine aus cooler Musik, aus Zärtlichkeit und Solidarität. Apokalypse, Baby!

Eigentlich hätte Theresa Henning Markolf Naujoks «Every Heart Is Build Around A Memory» fürs Staatstheater Hannover inszenieren sollen.

Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie aber schrieb sie einen eigenen Text, assoziativ, schnell, aktualitätstrunken: «Der Beginn einer neuen Welt», als atemlose Dauerrede dreier Figuren an einem Nicht-Ort. «Der Tag meiner Geburt war der Tag meines Sterbens», raunt Tabitha Frehner an einer Stelle im tiefen Existenzialismus, das gibt den Ton des gerade mal einstündigen Abends vor: Henning schreibt aus der Position des schwermütigen Teenagers, voller Pathos, das nie Distanz zu sich zulässt, fiebrig, mit bebenden Lippen. Kaum erträglich, wenn man über 20 ist. 

Aber, und das ist der Pluspunkt dieses Stücks: Mit all diesem Pathos schreibt Henning eben auch sehr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 51
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Wir sind auch nicht nur Menschen

Emilia heißt das Neugeborene, dessen Kollektiv-Co-Mutter ich gerade geworden bin. Ihr Geschlecht hat ein Zufallsgenerator bestimmt. Zuvor wurden wir, das Online-Publikum von Interrobangs theatraler Zoomkonferenz «Livestream: Familiodrom», nach der Intensität unseres Kinderwunsches und dem sozio-ökonomischen Milieu befragt, in das das potenzielle neue Leben...

Das Drama der Virtuosin

Wer Jutta Lampes Mascha in Tschechows «Drei Schwestern» 1984 an der Berliner Schaubühne gesehen hat, wird den Abschied von ihrem nicht mehr heimlichen Geliebten, dem Oberstleutnant Werschinin, kaum vergessen: Wie sie sich, alle Façon von Form und Inszenierung über Bord werfend, Otto Sander an den Hals klammerte, schrie, von den zwei Schwestern mehrfach mit aller...

Impressum 2/21

Pläne der Redaktion

Christophe Slagmuylder muss in Corona-Zeiten eines der größten europäischen Theaterfestivals planen. Ein Gespräch über den Umgang mit Unmöglichem und die nächsten Wiener Festwochen im Sommer

Drei Lockdowns haben das Theater in Israel schwer getroffen, aber nicht zum Verschwinden gebracht: ein Report

Wilhelm Heitmeyer hat schon im Jahr 2001...