Höhere und andere Töchter
Diese Frau ist auf dem Kriegspfad: Der Busen entblößt, die knochigen Finger zu Harpyienkrallen eingekrümmt, die Gewandung im Übrigen festlich. Mit Gustav Klimts «Judith» auf seinen Plakaten wirbt das Odéontheater überall in Paris für die neue «Hedda Gabler», in der Isabelle Huppert die Hauptrolle spielt. (Demnächst auch bei den Ruhrfestspielen.
) Das Bild, ein Inbild von Rätsel und Gefährlichkeit, weckt natürlich die Erwartung – wie sich zeigt, zu Recht – dass man es mit einer dem gewöhnlichen Leben enthobenen, aus dem Reich der Kunst herniedergestiegenen Heroine zu tun bekommen wird. Zugleich, wenn auch unfreiwillig, gibt es einen Vorgeschmack von der prunkklirrenden Starrheit, die die ungewöhnlich großspurige Produktion beinahe lähmt.
Dabei ist die aufwändige Ikonisierung zunächst einmal alles andere als fehl am Platz. Was wäre denn Hedda Gabler ohne schmückende Zutaten anderes als eine von den höheren Töchtern mit Milieuschaden, denen man sogar früher schon, als derlei Lebenszuschnitte noch für »Schicksal» durchgingen, in der Wirklichkeit möglichst aus dem Weg ging: zu bequem oder zu feige zum Leben und zu hochnäsig, um sich mit weniger abzufinden, und also unzufrieden, ...
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