Ente mit Porschemotor

Plot, Figuren, Dialoge – auf den ersten Blick scheinen sich well made Plays und Drehbücher gar nicht so sehr zu unterscheiden. Auch haben etliche Drehbuchautoren und Storyliner eine Theatervergangenheit. Tatsächlich aber liegen Welten zwischen dem einsamen Schreiben für die Bühne und der industriellen Kreativität für Film und Fernsehen, zwischen der Freiheit des Dramatikers und den Anforderungen mehrheitsfähigen Erzählens. Ein Streifzug durch die Schreibstuben der TV-Branche

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Von außen sieht das Babelsberger Studiogelände aus wie eine Strumpfhosenfabrik. Nur dass vor den Werkstoren immer eine Traube pubertierender Autogrammjäger auf ihre Serienstars wartet. In den zwei klimatisierten Bürokomplexen der «Grundy Ufa» arbeiten 140 Mitarbeiter von Montag bis Freitag an der täglichen Fernsehserie «Gute Zeiten, schlechte Zeiten». Die wenigsten von ihnen sind direkt mit den Dreharbeiten beschäftigt, von der Buchentwicklung bis zur Postproduktion sind auf dem Firmengelände alle Stationen der Serienproduktion zusammengefasst.

Auch der Berliner Autor Stefan Rehberger trat hier drei Jahre lang jeden Morgen pünktlich seinen Dienst im Storydepartment an, um wie am Fließband Seifengeschichten zu erfinden. «Wenn es gut läuft, ist es sehr lustig», erinnert sich der Germanist an seine Zeit als Storyliner, «wenn einem nix einfällt, ist es sehr quälend.» 

Der Leistungsdruck im Storydepartment ist enorm. Um Zeit zu sparen, werden die Drehbücher einer täglichen Dauerserie nämlich arbeitsteilig verfasst: Zweimal im Jahr geben die hochbezahlten Headwriter die groben Linien der nächsten sechs Monate vor. Aus dieser Vorlage, den so genannten «Futures», entwickelt ein Heer von ...

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Theater heute März 2005
Rubrik: Report, Seite 30
von Klaudia Brunst

Vergriffen
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