Warten auf George Bush
«Theatre, in the Islamic Republic, finds its noble and high responsibilities in expressing pains and suffering of fettered and oppressed human beings.» revolutionsführer ali chamenei (vorangestellt dem katalog zum 23. internationalen fadjr-festival)
Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?» Obwohl im Flugzeug nach Teheran noch viele Plätze frei sind, setzt sich der höfliche ältere Herr neben mich.
Er will erzählen, was Touristen in Iran nicht unbedingt sehen werden: Dass die herrschenden Mullahs das an Bildung und Rohstoffen reiche Land in den wirtschaftlichen Ruin getrieben haben, dass sie jetzt, der Mafia nicht unähnlich, das Volk ausbeuten und ausbluten, um militante Gruppen finanzieren und sich selbst bereichern zu können. Wie die Milizen der Herrschenden die religiösen Vorschriften dazu benutzen, die Menschen zu kujonieren und zu kontrollieren sowie Angst und Misstrauen unter ihnen zu säen. Wie seine eigenen Verwandte, die ein bisschen Bier getrunken hatten, zu 70 Stockhieben verurteilt wurden, dass er ihre Rücken, schwarz vor Blutergüssen, gesehen habe. So gehe das seit über 25 Jahren, mehr als doppelt so lang wie Hitlers Regime. Die Reformpolitik habe versagt; die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt Ereignisse, die grenzen in diesen Zeiten, da das Wünschen nicht mehr hilft, an ein Wunder. Ringsum werden Theater von Sparzwängen gepeinigt, es wird geschlossen und gedrosselt, ganze Sparten verschwinden, Spielpläne schrumpfen. Just da öffnet ein schon fast aufgegebenes Theater wieder seine Pforte: in sachbezogener Schlichtheit und höchstmöglicher...
In der Berliner Uraufführung von «3 von 5 Millionen» (vgl. TH 2/05) wartete das Regiependant des Autors Fritz Kater, Armin Petras, im Falle des Bacon-Monologs mit einem Schauspieler im Kostüm der Biene Maja auf. In Mannheim, wo einen Tag später die zweite Inszenierung folgte, versucht man, der Lüge der Kunst mit gespieltem Realismus nahe zu kommen. Reinhard...
Einer Frau, die so ein Blümchenkleid schon während der Ouvertüre tragen muss, bleibt nichts anderes als der Selbstmord. Kein Drama muss das noch näher erklären. Keine Janácek-Musik, keine verbotene Liebe und keine gesellschaftliche Repression, ja nicht einmal eine böse Schwiegermutter. Man kann sich nun streiten, ob die Kostümbildnerin ein gutes Händchen hatte,...
