Hip-Hop aus der Lichtstadt

nach Mathieu Kassovitz «Hass/Μίσος/Ura» am Theaterhaus Jena

Theater heute - Logo

«Zwischen den Zeilen bleibt ein Gefühl, egal was wir machen, wir scheitern», rappt der Hip-Hopper Sorbas dem Jenaer Publikum mit kräftigen Beats ins Gesicht. Hinter ihm flackern Bilder von Protesten und Gewalt, Bilder von behelmten Polizist:innen und Steine werfenden Demonstrierenden. Die drei Leinwände können durch aufgetragene Rechtecke auch als Hochhäuser gelesen werden. Die Bilder stammen vom Syntagma-Platz in Athen und aus Frankreich. Schnell geschnitten, kombiniert mit Animationen wirken sie wie ein Musikvideo. Protest als Pop und Musik als soziales Vehikel.

Über der Bühne grüßt ein fettes Graffiti: «La Perifgria Vi Guarda Con Odio» [sic!], was ohne den Schreibfehler auch der Titel eines Buchs des italienischen Soziologen Gabriel Seroussi ist über die Jugendgangs in den Trabantensiedlungen italienischer Großstädte. Zudem verweist der deutsch-griechisch-rumänische Stücktitel«Hass/Μίσος/ Ura» auf den Film «La Haine» von 1995, in dem Regisseur Mathieu Kassovitz drei migrantische Jugendliche durch eine Pariser Banlieue hetzt – ein Drama voll Rassismus, Gewalt, jugendlichem Übermut und Hoffnungslosigkeit.

Als ob damit nicht schon genug Schichten aufeinander lagern, packen die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2026
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Der toxische Mensch

Die Menschheit ist schon eine unangenehme Spezies. Sie ist besserwisserisch, sie ist brutal, sie ist rechthaberisch, sie agiert ohne jedes Mitgefühl. Man muss sich nur einmal Donald Trump anschauen, Putin, Le Pen, man denke an die Super -reichen, die abgekoppelt von der Realität ihre Milliarden mehren, man denke an die nicht ganz so Reichen, die bereit sind, für...

Wir sind alle Lucretia

Konzert, Theater, Castingrunde, Treffen einer Selbsthilfegruppe, semi-autobiografischer Abend – «Die Schändung der Lucretia: Ein Casting» in der Regie von Lola Arias im Schauspielhaus Basel ist all das. Im Kern versucht eine Gruppe Künstler:innen, ein Stück aufzuführen, Shakespeares Langgedicht «The Rape of Lucretia».

In einem Büro mit Kamera und Topfpflanze werden...

In Zukunft mehr Expert:innen

Auf die Frage, in welche Zeit sie am liebsten reisen würden, antworten die vier Ensemblespieler:innen vom Staatstheater Cottbus: in die Vergangenheit. Vielleicht, weil die Zukunft ihnen Angst macht – das jedenfalls wäre die These der Zukunftsforscherin Florence Gaub, die im zweiten Teil von Helgard Haugs «Die Zeitmaschine» einen kurzen Auftritt als KI-Hybrid hat....