Die Gruppentherapeutin
Bei Shermin Langhoff hängt ein Kunstwerk von Silvina Der-Meguerditchian, auf dem steht «Dert var gelir geçer, dert var deler gider» – es gibt Sorgen, die kommen und gehen, und es gibt Sorgen, die kommen, hinterlassen ein Loch und gehen dann. Diese Löcher untersucht Yael Ronen in ihren Stücken.
Das tut sie wie eine Therapeutin, eine Schamanin, eine Vermittlerin zur Geisterwelt, die spirituelle Fähigkeiten zur Heilung besitzt. Ihre Proben sind Prozesse, in denen sich die Beteiligten ihren Geistern stellen, den Geistern, die besagten Löchern entspringen.
Sie schreckt nicht davor zurück, eigene offene Wunden und die der Schauspieler*innen zu berühren, denn sie weiß, erst die Berührung kann Heilung bewirken.
Die Theaterstücke, die in diesen Prozessen entstehen, werden von Yael Ronen gern als Nebenprodukte bezeichnet. Dies ist nicht kokett, denn meistens sind wir wirklich überrascht, dass zum Premierentermin ein Stück auf der Bühne steht. Denn im Vordergrund steht für Yael Ronen immer der Arbeitsprozess, bei dem alle Beteiligten etwas Neues über sich selbst und die Welt herausfinden sollen. Er soll eine Tür in unserem Leben öffnen, die sich nie wieder schließen lässt.
Das Zuhören ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Stücke des Jahres, Seite 102
von Irina Szodruch
Ein wolkenloser Tag im Mai. Ein Frühlingstag. Ein Junge, keine sechs Jahre alt, läuft entlang eines Baches den Vögeln hinterher. Der Bach teilt Hügel und Felder. Auf der einen Seite wächst Wein, auf der anderen weiden Kühe, Pferde und Schafe. Zwei Dörfer liegen an diesem Bach, «aneinandergeschmiegt wie Zwillinge im Bauch der Mutter». Und der Legende nach waren die...
Die erste Entscheidung war die schwierigste: einem Stück den Titel «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2» zu geben. Als die Uraufführung näherrückte, kamen Anrufe von Journalisten, auch aus dem Ausland. «Rechnen Sie mit einem Skandal?» – «Nö.» – «Aber das wird doch sicher Wellen schlagen, gibt es schon Gegenwind?» Antwort: «Nö.»
CNN hatte sich zum Filmen angemeldet,...
... ist in diesem Jahr eine letzte Ehrung: Mit 8 der 43 Stimmen, die dieses Jahr zu vergeben waren, wurde der vor einem Jahr überraschend verstorbene Bert Neumann posthum mit seiner Volksbühnen-Versiegelung, die wie ein Abschied wirkte, zum vierten Mal seit 2001 Bühnenbildner des Jahres. Der lange Abschied der Castorf-Volksbühne, die 2017 Chris Dercon übernehmen...
