Hier ist nur sicher, dass nichts sicher ist

Lina Beckmann, die Schauspielerin des Jahres, spielt «Laios», das Stück des Jahres

Theater heute - Logo

Sie ist schon da, als sich die Türen des Zuschauerraums öffnen. Sie streift, während das Publikum jetzt langsam hereinkommt, an der Rückwand des leeren Bühnenhauses entlang, sie streift hin und her, kaum zu erkennen im Halbdunkel, scheinbar ruhelos – und doch hochkonzentriert. An den hohen Wänden verlaufene schwarz-graue Tusche, irgendwo auf der Bühne ein Haufen Steine, eine Schubkarre, am Rand eine tote Kuh.

Sie ist schon da – und anders kann es auch gar nicht sein, denn wie sollte sie diese Welt betreten, durch welche Tür «auftreten», «hereinkommen», um den Abend zu beginnen, die Vorstellung, die jetzt gleich anfangen soll, als wer oder als was? Das ist eine keineswegs einfache Frage, das ist eine Frage, die nicht zu beantworten wäre, und an der man, auch wenn es nun scheinbar keinen «Auftritt» geben wird, trotzdem nicht vorbeikommt, denn die Frage nach dem «Wer bin ich?» stellt das Theater auf unterschiedlichen Ebenen die ganze Zeit.

Genauso wäre allerdings auch nicht zu beantworten, wer da jetzt auf der anderen Seite des Bühnenportals zu den Türen des Zuschauerraums hereinströmt, 1083 Plätze hat das Deutsche Schauspielhaus Hamburg an diesem Abend, hier treffen sehr viele ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 6
von Roland Schimmelpfennig

Weitere Beiträge
Elf plus eins

Dieser Bilderstrom ist eine permanente Überwältigung, ein irrer Sog, ein Labyrinth, in dem man sich verlieren kann. Dynamisch und in hohem Tempo ergießt er sich in der Romanadaption «RCE» am Berliner Ensemble auf Daniel Roskamps Bühnenkonstruktion. Wie mit Buntstift schraffierte Farbnetze auf schwarzem Grund zum Auftakt, sich in verschiedenen Graustufen...

Schluss mit der Selbstverheizung!

Theater heute Vor einigen Jahren haben Sie im Gespräch mit Christine Wahl gesagt, Sie würden gerne mal Schauspieler des Jahres werden …
Dimitrij Schaad Ich weiß sogar nach ganz genau, wo und wann das war, als ich zum ersten Mal darüber gelesen habe, dass man das werden kann und ich beschlossen hab: Das will ich werden.

TH Sie gelten als manischer Rollenvorbereiter....

Wahrheit und Lüge

Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann und ein Prototyp für eine heute zunehmend als toxisch gebrandmarkte Männlichkeit. Diese mag zwar im Aussterben begriffen sein, ist aber immer noch voller Schaffenskraft und für – auch positive – Überraschungen gut.

Jacob McNeal entspringt der Fantasie des Autors Ayad Akhtar, der ihn uns...