Bürokratie vor Menschlichkeit

Wie Mülltrennung die Nachbarschaft zu zerreißen droht, beobachtet Marie Schleef

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Zucker Mehl Paketsuche» heißt die Chatgruppe meiner Hausgemeinschaft. Vor ungefähr fünf Jahren von Petra aus dem Seitenflügel gegründet, zählt sie mittlerweile stolze 27 Mitglieder. Hier, zwischen Boomer-Memes, die besonders um die Feiertage Konjunktur haben, bitten Bewohner:innen spontan um etwas Sahne (weil das Gulasch trotz Rezept-Befolgung zu scharf geworden ist!) und finden Hilfe bei der verzweifelten Suche nach Omas Weihnachtskekse-Paket (der Klassiker: Paket wurde ab -gegeben, aber ohne Zettel).

Zur weiteren Erläuterung wechseln wir kurz den Ort: mein E-Mail-Postfach. Unser Vermieter Klaus-Dieter Mayer schreibt an die Hausgemeinschaft. Grund sei, dass die BSR (Berliner Stadtreinigung) den Papiermüll wegen Überfüllung nicht abgeholt habe. Wir sollten bitte darauf achten, vor allem die Kartons zu zerkleinern, alternativ könnten wir dauerhaft eine zweite Tonne bekommen, was aber monatliche Mehrkosten verursachen würde. Vielleicht sollten wir es erst einmal anders versuchen.

Daraufhin postet Petra, die oben bereits erwähnte Gründerin der Chatgruppe, am nächsten Morgen ein Foto unseres Papiermülls. Das Ausmaß wird deutlich: Nicht nur die Mülltonne quillt über, oben drauf thront ...

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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 93
von Marie Schleef

Weitere Beiträge
Uraufführungen 2024/2025

 

A Sina Ahlers
Milch & Schuld (Staatstheater Kassel) 

Emre Akal
nach Henrik Ibsen: Barrrbie ein Puppenheim (Thalia Theater Hamburg) 

Sally Anger
Blockflötenkomödie (AT) (Junges Nationaltheater Mannheim)

B Olga Bach
Im Ferienlager (Schauspiel Stuttgart) 

Ingeborg Bachmann und Max Frisch
Wir haben es nicht gut gemacht. Nach dem Briefwechsel (Schauspiel Frankfurt) 

L...

Schön war die Zeit

Früher bedeckten mich meine Triggerpunkte wie eine zweite Haut. Man hätte sie benutzen können, um einen hochauflösenden Wut-Avatar von mir zu erstellen und auf den Cyberspace loszulassen. Virtuelle Verwüstung wäre garantiert gewesen. Mit kleinen Abstrichen galt das auch im richtigen Leben, und wenn ich richtiges Leben sage, meine ich natürlich die Kunst.

Im Theater...

Hier ist nur sicher, dass nichts sicher ist

Sie ist schon da, als sich die Türen des Zuschauerraums öffnen. Sie streift, während das Publikum jetzt langsam hereinkommt, an der Rückwand des leeren Bühnenhauses entlang, sie streift hin und her, kaum zu erkennen im Halbdunkel, scheinbar ruhelos – und doch hochkonzentriert. An den hohen Wänden verlaufene schwarz-graue Tusche, irgendwo auf der Bühne ein Haufen...