Heldendämmerung
Als polnischer Minister für Kultur und nationales Erbe hat man es wirklich nicht leicht. Seit Jahrhunderten bedrohen feindliche Mächte die nationale Einheit des Landes. Gleichzeitig ist der Olymp der legendären Widerstandskämpfer und Nationalhelden personell längst überlaufen, weshalb sich die zeitgenössischen nationalkonservativen Regierungsvertreter mit einer Nischenexistenz in der Ruhmeshalle für Gott, Ehre und Vaterland abfinden müssen. Johann III. Sobieski besiegte das osmanische Heer, Papst Johannes Paul II.
den Kommunismus, und Piotr Glinski verteidigt gerade standhaft «die grundlegenden Prinzipien der sozialen Koexistenz, deren Schutz in kultureller Hinsicht die Pflicht des Ministers für Kultur und nationales Erbe ist», gegen den kroatischen Theaterregisseur Oliver Frljic. Dessen Arbeit, so Glinski, «entmutigt und entfremdet einen großen Teil des Publikums vom Theater und verstärkt dessen teuflisches Bild in der Gesellschaft als Institution, in der demoralisierte Nihilisten die Werte beschmutzen, die ihrem Publikum heilig sind».
Umgekehrt ist es für demoralisierte Nihilisten natürlich schwierig, das pathetische Kauderwelsch, das Jaroslaw Kaczynskis Partei «Prawo i ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Anja Quickert
In diesem Jahr erschien endlich auf Deutsch Miroslav Krlezas Mammutroman «Die Fahnen», der auf über 3000 Seiten und am Beispiel Kroatiens minutiös und detailreich ein Panorama der geistesgeschichtlichen und politischen Situation Europas zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeichnet. Kurz und bündig ist die eben nicht zu erzählen, vor allem nicht, wenn es um die...
In ihrer Zwickauer Nachbarschaft hieß Beate Zschäpe, die damals den Tarnnamen Susanne Dienelt trug, «die Diddlmaus». Ein treffender Spitzname, terrorisierte doch die gleichnamige Cartoonfigur in ihrer schrill-dumpfen Niedlichkeit in den 90er Jahren von zahllosen Gebrauchsgegenständen aus das Geschmacksempfinden. Extrem diddlmaushaft agiert auch die schon häufiger...
Das Publikum hat sich zur angekündigten Uhrzeit in der Halle eingefunden und harrt der Dinge. Doch vom «performativen Programm», das hier stattfinden soll, ist weit und breit keine Spur. Nach zehn Minuten wendet sich schließlich eine Frau – anscheinend eine der Künstlerinnen – an die Wartenden. «Are you looking for the performance?», fragt sie freundlich und weist...
