Heldendämmerung
Als polnischer Minister für Kultur und nationales Erbe hat man es wirklich nicht leicht. Seit Jahrhunderten bedrohen feindliche Mächte die nationale Einheit des Landes. Gleichzeitig ist der Olymp der legendären Widerstandskämpfer und Nationalhelden personell längst überlaufen, weshalb sich die zeitgenössischen nationalkonservativen Regierungsvertreter mit einer Nischenexistenz in der Ruhmeshalle für Gott, Ehre und Vaterland abfinden müssen. Johann III. Sobieski besiegte das osmanische Heer, Papst Johannes Paul II.
den Kommunismus, und Piotr Glinski verteidigt gerade standhaft «die grundlegenden Prinzipien der sozialen Koexistenz, deren Schutz in kultureller Hinsicht die Pflicht des Ministers für Kultur und nationales Erbe ist», gegen den kroatischen Theaterregisseur Oliver Frljic. Dessen Arbeit, so Glinski, «entmutigt und entfremdet einen großen Teil des Publikums vom Theater und verstärkt dessen teuflisches Bild in der Gesellschaft als Institution, in der demoralisierte Nihilisten die Werte beschmutzen, die ihrem Publikum heilig sind».
Umgekehrt ist es für demoralisierte Nihilisten natürlich schwierig, das pathetische Kauderwelsch, das Jaroslaw Kaczynskis Partei «Prawo i ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Anja Quickert
Bei Signa denkt man eigentlich nicht an Schiller. Also nicht an das Lichte und Bildsame, an die Ermutigung, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, die sich auch im diesjährigen Motto der Mannheimer Schillertage widerspiegelte («Nach der Freiheit / ist vor der Freiheit»). Signa halten es eher mit den Hinterzimmern der Vernunft. In ihren hypertrophen...
Die Personen
Wir. Wer immer und wie viele wir auch sind.
Raging furious, the flames of desire
Ran through heaven and earth, living flames,
Intelligent, organized, armed
With destruction and plagues. In the midst
The Eternal Prophet, bound in a chain,
Compelled to watch Urizen’s shadow.
William Blake, The Book of Los
Ich schlafe nicht mehr. Ich schlafe seit Tagen nicht...
Es ist so puuuh, so äääh, geradezu uaargh: ein Bruderkuss, feindliche Soldaten reichen sich die Hände, Liebe und Versöhnung zum Finale. Der Schluss von Maria Milisavljevics «Beben» lässt einen sprachlos zurück ob seiner unverschämten Naivität – und gerade damit gelingt der Autorin ein Volltreffer. Milisavljevic hat nicht etwa ein Feelgood-Movie für die Bühne...
