Darmstadt: Vollversammlung in Adiletten

Thomas Melle «Ännie»

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Hauke behängt den bunten Plastiktisch mit schwarzem Tuch. Er stellt rot glimmende Grablichter auf, ein Kruzifix in die Ecke und eine Flasche Korn auf den Tisch. Heute ist ein Trauertag, denn vor zwei Jahren ist Ännie verschwunden. Und dieser will mit Würde begangen werden. Oder? Wir befinden uns in einer verramschten Kneipe in einer namenlosen Stadt, dort, wo die Songs einer Jukebox persönliche Befindlich­keiten untermalen und anstelle von Caipirinha Schnaps eingeschenkt wird.

Und wir befinden uns in der Darmstädter Inszenierung von Thomas Melles Stück «Ännie», das im November 2016 in Bremen uraufgeführt wurde. Darin treffen zehn maximal verschiedene Figuren aufeinander, vereint durch eine große Abwesende: Annemarie, genannt Ännie. Zum Kneipenwirt Hauke (Cornelius Schwalm) und seiner Frau Heike (Jana Zöll) wird sich Romy (Karin Klein) gesellen, eine abgehalfterte, hochtoupierte Schöne, mit einer Torte Schwarzwälder Kirsch: Denn heute ist auch Ännies 18. Geburtstag. Ein Freudentag also. Eigentlich.

Ännie scheint ein Ausbund von einem Teenager gewesen zu sein, eine, die alles Nervtötende der Pubertät auf sich vereinte, eine, die obszön und provokant war, aber auch (alt-)klug und ...

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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Esther Boldt

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