Heilsame Atemübung

Franziska Stünkels Kinofilm «Vineta» – nach Moritz Rinkes Theaterstück

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Ständig knackt der Mann Nüsse. Hirnförmige Walnüsse natürlich, denn Peter Lohmeyer als Sebastian Färber, Spitzenarchitekt und Workaholic, besteht selbst nur noch aus Hirn. Tag und Nacht sitzt er über seinen Bauplänen, jagt genialisch den Zeichenstift übers Papier und futtert Walnüsse, die er wie Qi-Gong-Kugeln in der linken Hand klackern lässt, bevor er sie knackt.

Vor seinen Augen verschwimmt die Welt zu einer Farbsoße in Rot oder Blau, Architekturpreise nimmt er in Trance entgegen, und nach einem Zusammenbruch reißt er sich die Infu­sion aus dem Arm und marschiert, ohne auf seine verzweifelte Tochter zu hören, vom Krankenhaus geradewegs wieder an den Schreibtisch, Nüsse knacken, Pläne zeichnen.

Vielleicht erinnern sich manche Theatergänger noch dunkel an Färber. Er war einer der Protagonisten, die der Dramatiker Moritz Rinke in seinem Theaterstück «Republik Vineta» (2001) in einem fiktiven Schloss zur Planung des gleichnamigen Inselstaates versammelte. Während die ausgebrannten Manager in Rinkes Satire glaubten, alle Kräfte für einen Riesenauftrag zu sammeln, sind sie tatsächlich, wie der Autor zum Schluss enthüllt, in einer Therapiegruppe für Burn-Outs gelandet. Vor zwei Jahren ...

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Theater heute April 2008
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Eva Behrendt

Vergriffen
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