Hausbau mit Elfriede Jelinek
Wer ein Haus baut, ist gut beraten, nicht mit dem Dach zu beginnen. Im Theater muss man das nicht so eng sehen: Am Ende des Elfriede-Jelinek-Abends «Die Ankunft» am Wiener Volkstheater wird ein Haus auf der Bühne stehen; am Beginn von Jan Philipp Glogers Inszenierung aber ist davon nur das Dach zu sehen. Nachvollziehbar wird das, wenn man weiß, dass «Die Ankunft» eine Kompilation von vier Jelinek-Dramen ist, die Faschismus und rechtsextreme Gewalt in Deutschland und Österreich thematisieren. Da erscheint es durchaus sinnvoll, mit dem theoretischen Überbau anzufangen.
Den Anfang macht also «Wolken. Heim.» (1988), in dem Jelinek Texte von deutschen Dichtern und Denkern zu einer großen, in der ersten Person Plural gehaltenen Deutschland-Hymne kompiliert hat. Im Volkstheater stehen unter anderem Hegel (Josef Mohamed im Gehrock) und Heidegger (Andrej Agranovski mit Seppelhut, Rucksack und Wanderstock), aber auch Wotan (Katharina Kurschat mit Helm und Schwert), ein Burschenschafter (Elias Maria Burckhardt mit Couleur-Band) oder ein junger fescher Fascho (Maximilian Pulst in Barbour-Jacke) auf dem Dach und senden lauter Wir-Botschaften, die schließlich im Chor folgendermaßen ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Wolfgang Kralicek
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