Aufführungen
Manche Wahrheiten sind zwar längst nicht mehr neu, aber eben schlicht nicht von der Hand zu weisen und treffen noch immer ziemlich genau den neuralgischen Punkt.
Bertolt Brechts unverblümte Feststellung «Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral», gehört dazu, und so frontal, wie das Ensemble des Münchner Residenztheaters die «Ballade über die Frage: Wovon lebt der Mensch?» über einen klaffenden Orchestergraben hinweg und auf den Stuhllehnen stehend ins vollbesetzte Parkett schmettert, erzeugt das sogar heute noch – und das ist das wirklich Frappierende – echte Gänsehaut. Für einen Moment weht ein kalter Hauch dem sicherlich überwiegend gutbetuchten Publikum ins Gesicht, der sich durch alle sozialanalytischen Diagnosen rund um die jüngsten Wahlsiege der AfD nicht so unmittelbar erzeugen ließe.
Dennoch funktioniert auch hier der Mechanismus kapitalistischer Verwertungslogik zuverlässig. «Die Dreigroschenoper», mit deren Uraufführung Brecht im Jahr 1928 Berlin eroberte – und dabei etliche eigene Grundsätze der Verfremdung und Anti-Romantisierung über Bord warf, ist seither ein unverwüstlicher Dauerbrenner auf den Bühnen, wohl weil sie auf so geniale Weise die frivolen Melodien ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Silvia Stammen
Diese Oper solle «so prunkvoll» sein, «wie nur Bettler sie erträumen», forderte Brecht: Dem folgen die Zürcher aufs Wort. Nicht in der Opulenz der Ausstattung, aber der Performance: Da holt das fulminante Ensemble mit Regisseurin Pınar Karabulut heraus, was herauszuholen ist. Bei Hauptmann, Brecht, Weill und im woken Zürich von heute.
«Kärglich», das ist das...
Mit 42 Jahren ist er der mit Abstand jüngste Preisträger bisher und noch dazu der erste aus dem asiatischen Raum. Der südkoreanischen Theater- und Performancekünstler Jaha Koo wurde im März dieses Jahres mit dem International Ibsen Award ausgezeichnet, die ausgiebige Preiszeremonie fand am letzten Wochenende im September in Oslo statt. Im Nationaltheater sorgten da...
Wenn ältere Männer, die im Leben ziemlich weit gekommen sind, sich plötzlich die Frage stellen, ob das jetzt eigentlich schon alles war, dann suchen sie sich manchmal eine junge Freundin. Oder sie machen den Motorradführerschein. Oder sie holen noch einmal ihre alte Gitarre vom Speicher und üben die Akkorde von «Smoke on the Water».
Das mit der jungen Freundin...
