Hamburg: Im Glaskasten der Diversität

Schorsch Kamerun «Katastrophenstimmung»

Hannah (Carlotta Freyer) hat verstanden, wie der Hase läuft. «Du denkst, du hörst die Nachrichten», erklärt sie, «aber was du hörst, ist ein Echo!» Wir sind gefangen in Filterblasen, in denen die eigene Meinung wieder und wieder bestätigt wird, bis wir glauben, eine allgemein gültige Position zu hören. Bühnenbildnerin Katja Eichbaum hat für diese Echokammer ein hübsches Bild gefunden: einen aquariumartigen Tunnel zwischen den Zuschauerrängen, in dem praktisch die gesamte Performance von Schorsch Kameruns «Katastrophenstimmung» stattfindet.

Und wenn doch einmal außerhalb des Glaskastens agiert wird, bekommt man das per Videoeinspielung mit, vom Vorplatz des Hamburger Schauspielhauses etwa oder aus dem Foyer des Malersaals. Der Ausbruch aus dem Schauspielhauskeller gelingt so zwar, der aus den Datenströmen nicht.

Spätestens als diese Datenströme Hannahs Leben sabotieren, wird klar, dass wir uns in einem repressiven System befinden: «Ich habe im Netz nach günstigen Grippemitteln gesucht, und dar­aus wurde geschlossen, dass ich ein schwaches Immunsystem habe.» Und mit schwachem Immunsystem kommt man nicht weiter im Job, klar. «Katastrophenstimmung» ist eine nur minimal vom Heute ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2017
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Planetarische Tauchgänge

In ihrer Zwickauer Nachbarschaft hieß Beate Zschäpe, die damals den Tarnnamen Susanne Dienelt trug, «die Diddlmaus». Ein treffen­der Spitzname, terrorisierte doch die gleichnamige Cartoonfigur in ihrer schrill-dumpfen Niedlichkeit in den 90er Jahren von zahllosen Gebrauchsgegenständen aus das Geschmacksempfinden. Extrem diddlmaushaft agiert auch die schon häufiger...

Mainz: Ukulele Gottes

Heilig gesprochen wurde Hildegard von Bingen vor fünf Jahren. Papst Benedikt XVI. wünschte sich in einem Dekret, der Heilige Geist möge auch weiterhin «weise und mutige Frauen erwecken, die, indem sie die von Gott erhaltenen Gaben wertschätzen, ihren wertvollen und je eigenen Beitrag zum geistlichen Wachstum unserer Gemeinschaften und der Kirche in unserer Zeit...

Die Frage des Hirnficks

Bei Signa denkt man eigentlich nicht an Schiller. Also nicht an das Lichte und Bildsame, an die Ermutigung, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, die sich auch im diesjährigen Motto der Mannheimer Schillertage widerspiegelte («Nach der Frei­heit / ist vor der Freiheit»). Signa halten es eher mit den Hinterzimmern der Vernunft. In ihren hypertrophen...