Einstellungsstopp mit vierzig
Die Lüge ist eine zähe Partnerin. Sie überdauert sogar noch jeden redlich in Angriff genommenen Suizid: Wäre ja noch schöner, wenn man sich durch eigens inszenierte Autounfälle einfach so aus dem Selbstbetrugskorsett herausstehlen könnte! In Florian Fiedlers Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» am Schauspiel Frankfurt nimmt der soeben arbeitslos gewordene Vertreter Willy Loman, nachdem er uns seine Selbsttötungsabsichten zum Zwecke des Versicherungsbetrugs offengelegt hat, lässig im Parkett Platz.
Das Requiem mit den mehr oder weniger trauernden Angehörigen, denen der Betrug zugute kommen soll, fällt aus. Denn Fiedler gehört nicht zu jenen Regisseuren, die Arthur Millers New Yorker Kleinbürger aus dem Jahr 1949 unbekümmert die Schrumpfmaske des neuen deutschen Hartz-IV-Opfers überstülpen. Statt der kurzsichtigen Parallelisierung höchst differenzieller Gesellschafts- und Arbeitsmarktsituationen aufzusitzen, konzentriert er sich auf das universelle Gesetz der Lebenslüge, die den Existenzkampf zeiten- und systemübergreifend am Laufen hält.
Dabei handelt es sich bekanntlich um eine äußerst stabile Selbstbetrugs-, Rechtfertigungs- und Vorwurfsarchitektur, die ...
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Sechs Jahre ist es her, dass im Dezember 2000 der damals noch weitgehend unbekannte Michael Thalheimer am Hamburger Thalia Theater den denkwürdigen Anfang einer kleinen «Liliom»-Renaissance des 21. Jahrhunderts machte: Auf minutenlange Bewegungslosigkeit des hemdsärmeligen Protagonisten, die schließlich in einem seltsamen Schütteln der Arme, unwillkürlicher...
Mit diesem bürgerlichen Trauerspiel ist es eine komplizierte Sache. Seit Fritz Kortners vielgerühmter Inszenierung von 1970 gilt es als ausgemacht, dass Galottis Tochter den Prinzen von Guastalla «liebt», in ihn verknallt ist oder wie immer wir dieses eigentümliche Nervenspektakel einer widersinnigen Anziehung nennen wollen.
Das macht allerdings weder die Deutung...
Der eine ist der berühmteste Geldfälscher der Zwischenkriegszeit. Weil der Maler Salomon Sorowitsch von seiner Kunst nicht leben kann, verdient er sein Geld mit falschem Geld. Ein kriminelles Talent, das er notfalls auch in den Dienst der Nazis stellt, obwohl sie ihn, den Juden aus Odessa, ins KZ gesteckt haben. Der andere, Adolf Burger, würde hingegen jedes Opfer...
