Einstellungsstopp mit vierzig
Die Lüge ist eine zähe Partnerin. Sie überdauert sogar noch jeden redlich in Angriff genommenen Suizid: Wäre ja noch schöner, wenn man sich durch eigens inszenierte Autounfälle einfach so aus dem Selbstbetrugskorsett herausstehlen könnte! In Florian Fiedlers Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» am Schauspiel Frankfurt nimmt der soeben arbeitslos gewordene Vertreter Willy Loman, nachdem er uns seine Selbsttötungsabsichten zum Zwecke des Versicherungsbetrugs offengelegt hat, lässig im Parkett Platz.
Das Requiem mit den mehr oder weniger trauernden Angehörigen, denen der Betrug zugute kommen soll, fällt aus. Denn Fiedler gehört nicht zu jenen Regisseuren, die Arthur Millers New Yorker Kleinbürger aus dem Jahr 1949 unbekümmert die Schrumpfmaske des neuen deutschen Hartz-IV-Opfers überstülpen. Statt der kurzsichtigen Parallelisierung höchst differenzieller Gesellschafts- und Arbeitsmarktsituationen aufzusitzen, konzentriert er sich auf das universelle Gesetz der Lebenslüge, die den Existenzkampf zeiten- und systemübergreifend am Laufen hält.
Dabei handelt es sich bekanntlich um eine äußerst stabile Selbstbetrugs-, Rechtfertigungs- und Vorwurfsarchitektur, die ...
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Im Nordbadischen kann man auf das erste kommunale Theater Deutschlands verweisen und hat alleine schon deshalb ein inniges Verhältnis zu seinem Schauspiel. Viel wichtiger ist allerdings, dass Mannheim sich bis heute als Wahlheimat Schillers versteht, dabei aber geflissentlich übersieht, dass der Stürmer und Dränger nicht lange hier weilte und nach der...
Mit diesem bürgerlichen Trauerspiel ist es eine komplizierte Sache. Seit Fritz Kortners vielgerühmter Inszenierung von 1970 gilt es als ausgemacht, dass Galottis Tochter den Prinzen von Guastalla «liebt», in ihn verknallt ist oder wie immer wir dieses eigentümliche Nervenspektakel einer widersinnigen Anziehung nennen wollen.
Das macht allerdings weder die Deutung...
Ob es eine gute Idee ist, Romane zu verfilmen, darüber muss sich im Grundsatz niemand mehr den Kopf zerbrechen. Die Kinobranche bedient sich munter in der Weltbibliothek. Das Theater auch. Mal glückt es, mal missglückt es. Ob es jedoch originell und vor allem klug ist, ein Filmskript auf der Bühne auszubreiten, ist eine interessantere Frage. Schließlich muss man...
