Die reine Geste

Zum Tod des Performancekünstlers Jan Ritsema

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Die Bedeutung des niederländischen Regisseurs, Performers, Schauspiellehrers und Publizisten Jan Ritsema lässt sich schwerlich überschätzen. 1979 eröffnete er zunächst den International Theatre Bookshop im Amsterdamer Stadttheater und gründete den Verlag International Theatre & Film Books.

Schon damals zeichnete sich sein zukünftiger Weg als Schauspieler und Regisseur ab; seine Bühnenkarriere nahm an Fahrt auf, als er Joop Admiraal bei seinem wegweisenden Solo-Stück «U bent mijn moeder» («Du bist meine Mutter») assistierte – es war der Beginn einer langen Reihe unabhängiger Produktionen, die zwar nicht immer große Zuschauerzahlen fanden, aber stets starke künstlerische Zeichen in der Theaterlandschaft der Niederlande und Belgiens setzten. 

Ritsema war ein ruheloser und selten restlos zufriedener Forschergeist. Er hegte eine tiefe Aversion gegen jegliche Form weinerlichen Selbstmitleids auf der Bühne. Seiner Überzeugung nach musste eine Performance aus relevanten, reinen Gesten bestehen. Er stellte mithin äußerst gewagte Experimente an, etwa mit der unvergesslichen Performance «Philoctetes Variations» (1994) für den Schauspieler Ron Vawter, der seinerzeit bereits mit dem Tod rang. ...

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Theater heute Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Pieter T'Jonck

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