Die reine Geste

Zum Tod des Performancekünstlers Jan Ritsema

Theater heute - Logo

Die Bedeutung des niederländischen Regisseurs, Performers, Schauspiellehrers und Publizisten Jan Ritsema lässt sich schwerlich überschätzen. 1979 eröffnete er zunächst den International Theatre Bookshop im Amsterdamer Stadttheater und gründete den Verlag International Theatre & Film Books.

Schon damals zeichnete sich sein zukünftiger Weg als Schauspieler und Regisseur ab; seine Bühnenkarriere nahm an Fahrt auf, als er Joop Admiraal bei seinem wegweisenden Solo-Stück «U bent mijn moeder» («Du bist meine Mutter») assistierte – es war der Beginn einer langen Reihe unabhängiger Produktionen, die zwar nicht immer große Zuschauerzahlen fanden, aber stets starke künstlerische Zeichen in der Theaterlandschaft der Niederlande und Belgiens setzten. 

Ritsema war ein ruheloser und selten restlos zufriedener Forschergeist. Er hegte eine tiefe Aversion gegen jegliche Form weinerlichen Selbstmitleids auf der Bühne. Seiner Überzeugung nach musste eine Performance aus relevanten, reinen Gesten bestehen. Er stellte mithin äußerst gewagte Experimente an, etwa mit der unvergesslichen Performance «Philoctetes Variations» (1994) für den Schauspieler Ron Vawter, der seinerzeit bereits mit dem Tod rang. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Pieter T'Jonck

Weitere Beiträge
Haken und Ösen

Das Gegenteil von Empörung ist Entspannung. Dass Regisseur Daniel Foerster seine Uraufführungsinszenierung von Caren Jeß’ neuem Stück «Eleos» in einem Spa namens «Relaxation» verortet, soll also vermutlich szenische Reibungsenergie freisetzen. Laut Untertitel haben wir es nämlich mit einer «Empörung in 36 Miniaturen» zu tun. Im Haus zwei, der kleinen Bühne des...

Bitte überstrapazieren!

Einsame Menschen? Ein ziemlich munteres Grüppchen quasselt da am Tisch auf der linken Bühnenseite in den Kammerspielen des Deutschen Theaters durcheinander. Sie stoßen mit dem Stanford-Intellektuellen Arno an auf ihr zufälliges Zusammentreffen im schönen Haus am Müggelsee: Hausherr Johannes, der Bestsellerautor mit Schreibblockade, seine Uraltfreundin Sophie und...

Emre Akal: Hotel Pink Lulu – die Ersatzwelt

Figuren:

Ohne Vorgabe. Kein Geschlecht festgelegt.

Ein unfertiges Stück. Wie auch die Zeit unfertig ist, wie auch die Suche im Digitalen unfertig ist, wie auch die Suche im Digitalen leichtfertig ist, wie auch kein Davonkommen möglich ist, aus der jetzigen Zeit. Die Wahrheit: Der Autor musste das Stück leider frühzeitig abbrechen, da er als Erntehelfer Spargel...