Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Es war auch noch ein besonders heißer Sommer, als Christoph Schlingensief im Jahr Null des neuen Jahrtausends vor der Wiener Staatsoper ein paar Baucontainer zusammenschob und «Ausländer raus» darauf schrieb. In den stickigen Blechhütten saßen keine Schauspieler, sondern Asylbewerber, die vom Publikum zurück ins Heim gewählt werden konnten, einer von ihnen sollte angeblich die ersehnte Aufenthaltsgenehmigung gewinnen.
Draußen auf den Containern stand Christoph Schlingensief und agitierte per Megafon die Passanten, indem er ihnen einen unentwirrbaren Verhau aus rechtsradikalen Phrasen, Schlingensief-Charme und Dada-Performance um die Ohren schrie. Die Strategie, als aufgeklärter Künster so tief und identifikationsbereit im braunen Schlamm des gesunden Volksempfindens zu wühlen, bis sich die Kategorien der politischen Sauberkeit auflösen, funktionierte hervorragend. So gut, dass sogar ein paar Dutzend politisch sehr aufrichtige Teilnehmer einer wöchentlichen Anti-Haider-Demo im Vollgefühl ihrer Lauterkeit zu Container-Stürmern wurden, missliebige Transparente herunterrissen und das Lager überrannten. Nur einmal war das ästhetische Borderline-Unternehmen ernsthaft in Gefahr: Als ...
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