Auf Gegenseitigkeit
Es gibt diese Filme, die starten mit dem Blick aus dem Weltall auf die Erde, eine blaue, sich im Unendlichen drehende Kugel. Dann beginnt die Kamerafahrt, und die Erde kommt näher, wir können Ozeane und Kontinente unterscheiden, als nächstes sieht das aus wie ein Google-Bild, wir nähern uns einem Land, einer Region, einer Stadt, einer Straße, einem Haus, und endlich beginnt die Geschichte. Hier oder dort, bei Ihnen oder mir. Egal.
Felicia Zellers neues Stück «Gespräche mit Astronauten» weitet sich zu diesem fernen Blick auf unsere Erde erst ganz am Ende, wenn Thomas, ein Astronaut, nach erfolgreich absolviertem Flug ins All die ganze Welt Fähnchen-schwenkend grüßt und dazu ebenso ergreifende wie leider auch ziemlich plattitüdenhafte Sätze über die Erde als «Mutterraumschiff mit einer endlichen Atmosphäre» in die Mikrofone der Pressevertreter spricht.
Thomas ist der Vater von Peter, einem kleinen Jungen irgendwo in Deutschland. Dieser Junge sieht seinen Vater nur sehr selten, weil so ein toller Beruf wie Astronaut zwangsläufig auch gewisse Nachteile beinhaltet. Zum Beispiel den, dass dieser Vater sehr selten und immer nur sehr kurz zu Hause ist. Wenn er dann mal nach langer ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 182
von Josef Mackert
Ich habe nie zu den Schauspielern gehört, die auf der Bühne weinen können. Schon auf der Schauspielschule hat uns diese Fähigkeit knallhart in zwei Klassen eingeteilt: in die schauspielerische Oberschicht, den Adel, wenn nicht sogar den hochtalentierten, heulenden Hochadel, die, denen echte Tränen übers Gesicht rinnen, und in die anderen: das Fußvolk, das...
Ich habe einen Preis bekommen für ein Stück, das zu einem großen Teil aus Reden besteht. Das müßte man nicht eigens betonen, aber es gibt ja auch Stücke, in denen keiner spricht. Boten berichten von etwas, von dem man nicht sprechen kann (im Unterschied zu Stücken, in denen man nicht unbedingt sprechen muß, aber darf) und von dem sie noch dazu ein Teil sind. Sie...
Ein letztes Mal noch wird Alexander Scheer auf den Brettern stehen, die für ihn nie die Welt bedeutet haben. Dann ist Schluss. Im Herbst gibt er sein Debüt an der Wiener Burg. Stefan Pucher wird Regie führen, Wolfram Koch den Antonius, Catrin Striebeck die Cleopatra spielen, und er selbst keinen Geringeren als Julius Cäsar. «Dann reicht’s wirklich!» Scheer weiß,...
