Gruß aus der Küche

Verlässlich hat die «Lindenstraße» 34 Jahre lang einen Blick in Wohn­zimmer geworfen, die ähnlich schäbig waren wie die eigenen vier Wände. Adieu, alte BRD!

Theater heute - Logo

Die 1980er Jahre waren glamourös. Männliche Popstars trugen Lidschatten und Lippenstift, ohne auf die Idee zu kommen, sich als genderfluid zu bezeichnen. Das Fernsehen, damals noch Leitmedium, warf einen Blick in die Welt der Superreichen. Wenn «Dallas» ab 1978 lief, drängte sich die ganze Familie, von der Oma bis zum Enkelkind, vor dem Bildschirm, schließlich wollte man am nächsten Tag im Büro oder beim Bäcker mitreden können, wie dekadent die Ölgiganten es diesmal wieder getrieben hatten.

«Der Denver-Clan» setzte ab 1981 dann noch eins drauf: Egos so breit wie die ohnehin nicht schmalen Schulterpolster. 

Man muss diesen Hintergrund kennen, um zu verstehen, was für ein Alien die deutsche Familienserie «Lindenstraße» eigentlich war, die 1985 erstmals ausgestrahlt wurde. Bisher war alles bigger than life gewesen, plötzlich sah man in Wohnzimmer, die ähnlich schäbig waren wie die eigenen vier Wände, beobachtete Menschen, die genauso durchschnittlich langweilig waren wie man selbst. Die «Lindenstraße» war ein Realitätsschock. Extremer Nicht-Eskapismus war angesagt. 

Ich bin damals sofort reingekippt, kann mich noch an die bunten Sportjacken von Tennisjungstar Tanja erinnern, die zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2020
Rubrik: In Quarantäne, Seite 48
von Karin Cerny

Weitere Beiträge
Kinder des Burnouts

Ich habe so viel radikale Empathie», bricht es aus Andela heraus. Wäre es anders, wäre sie auch gar nicht ins neue Cloudworking-Team aufgenommen worden. Damit die Em­pathie auch wirklich radikal bleibt, lässt Chefin Claudia nicht nur sie, sondern auch Tenzin, Adrian, Jasmina und Jan immer wieder vorm grellen Schreibtischlampenlicht niederknien, damit sie...

Glücksfall und Rückendeckung

Eva Behrendt Herzlichen Glückwunsch zur Auswahl – und dazu, dass die Quote mit sechs Inszenierungen von Regisseurinnen sogar über­erfüllt wurde. Wie ist das gelungen?

Margarete Affenzeller Eigentlich war’s ganz leicht. Es war in letzter Zeit kaum noch die Rede von der Quote, auch nicht in der Schlussdiskus­sion. Wir waren uns schon im Mai, als Yvonne Büdenhölzer...

Daten (5/2020)

Baden-Baden, Theater
www.theater-baden-baden.de 

Berlin, Berliner Ensemble
www.berliner-ensemble.de

Berlin, Deutsches Theater
www.deutschestheater.de 

Berlin, Grips Theater
www.grips-theater.de

Berlin, Schaubühne
www.schaubuehne.de 

Bochum, Schauspielhaus
www.schauspielhausbochum.de

Braunschweig, Staatstheater
www.staatstheater-braunschweig.de

Celle, Schlosstheater
www.sc...