Grüne Hölle
Grün ist die Farbe des Abschieds. Zumindest für Herbert Fritsch in Freiburg. Zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit hat Peter Carp dem Berli -ner Bühnenkünstler mal wieder – in dieser Hinsicht war Carp ja Pionier – einen Werkauftrag verschafft, und Fritsch beschenkt das Haus des in den Intendantenruhestand wechselnden Regiekollegen mit einem wortkargen, aber anspielungsreichen Totaltheaterspektakel. Selbstzitate, oder anders gesagt: unverkennbare Markenidentität, eingeschlossen.
An monochromer Nuanciertheit ist der Abend mutmaßlich schwer zu überbieten.
Grün regiert, Grün schimmert alles allüberall, die Dinge, die Kleidung, Haut und Haar, hier natterngrell, dort waldesdunkel. Die Schlussapplausauftritte, die Fritsch früher gern ironisch überdehnte, gönnt sich das Ensemble gleich zu Beginn. Solist:innen sonnen sich in imaginären Ovationen, das Corps de Ballet stürmt die Rampe, grabscht nach Blumen und Begeisterung, feiert unersättlich sich und den Exzess im Exit. Ein Prolog, der den festen Willen zum Fehlstart einkalkuliert. Und unmissverständlich klarmacht: Grün ist eine kühne Farbe. Harmonie und Ruhe jedenfalls erzeugt sie nicht.
Wie der Doppeltitel «Rauflust oder Fifty Shades of ...
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Theater heute Juli 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Stephan Reuter
So viel Unbescheidenheit muss sein: In einer frühen Szene porträtiert sich Florentina Holzinger als Göttin. Vor einem gigantischen, hüpfburgartig aufgeblasenen Frauentorso, der Gustave Courbets berühmtem Gemälde «L’origine du monde» nachempfunden ist, hockt sich die Regie führende Performerin auf einen Schemel und stöhnt, als wäre sie in den Wehen. Um sich...
Es ist ein fast magischer Moment: Lautlos und langsam schiebt sich etwa auf der Hälfe des Abends ein menschhoher Glaskasten aus der Unterbühne. Drinnen hängt ein raumgreifender Ast, weit verzweigt ist er und doch abhackt, in seinem Wachstum gestoppt. Surreal scheint er im Raum zu schweben in dem schwefelgelben Licht (Marius Lorenzen), das diesen erfüllt, scheint...
Wo gerade in allen Tunneln mal wieder so gar kein Licht scheinen mag, die Sparziele der Kulturpolitik immer hemmungsloser werden und Zuschauerreihen nach wie vor nicht ganz so dicht gefüllt sind, wirkt es wie eine Art offensive Themaverfehlung: Einfach mal nicht die Krisenherde der Welt auf dem Schirm haben, nicht Relevanz heischend die neuesten Debatten umgraben,...
