Große Männer unter sich
Die Schlacht beginnt mit offenem Visier: Walter Schmidinger tritt hinter einen Notenständer und liest Schillers klappernden Prolog. Jedwedes Rhythmusproblem wird mit Nichtachtung gestraft, der Text demonstrativ melodisch gesungen. Der alte Mime legt schmelzendes Timbre unter jeden Vers, schwingt ausholend die schon zitternde Hand und geht nach zehn süßlichen Minuten stolz ab. Beziehungsvolle Sentenzen von einem «edlen Meister» und «altem Ruhm» werden mit tiefen, wissenden Blicken ins Publikum unterlegt.
Die Nachricht ist nicht zu überhören: Hier spielt das Theatermuseum der alten Schaubühne, selbstbewusst gealtert, und niemand wird sich vor einem verachteten Zeitgeist verstecken. Die alten Cowboys satteln noch mal auf und wollen es wissen, die Degen an der Seite.
Peter Steins «Wallenstein»-Expedition ist ein logistisches Großunternehmen, ein halbes hundert Schauspieler und Statisten nebst komplettem Spielmannszug für knapp dreißig Vorstellungen à zehn Stunden mit vier Pausen in einer leeren Neuköllner Brauereihalle für je 1.200 Zuschauer, eine Produktion des Berliner Ensembles gemeinsam mit Steins Wallenstein GmbH, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Deutsche ...
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Im vergangenen Jahr feierte Athol Fugard, der international gespielte Altmeister des südafrikanischen Theaters, seinen 75. Geburtstag mit einem neuen Stück, «Booitjie & Oubaas» (etwa: Jungchen und Altbauer), in der Regie der erfahrenen Janice Honeyman und mit dem herausragenden Marius Weyers in der Rolle des siechen Alten. Das rührende, wenn auch nicht...
Medea als Migrantin gab es in dieser Saison schon des öfteren zu sehen. Aber wohl nie so deutlich wie jetzt in Stuttgart. Da schließt Volker Lösch in bewährter Chor-Aktualisierungs-Manier ein Restgerippe von Euripides’ Dramentext mit den Lebensberichten von 16 Stuttgarterinnen aus türkischen Familien kurz. Der Anlass laut Programmheft: Stuttgart ist nach Frankfurt...
Ennio Morricone ist genervt. Der Rummel um seine Person seit dem Oscar, die zahllosen Interviews, die Fernsehauftritte, die späte und unerwartete Popularität im eigenen Land – Morricone ist es gewohnt, inkognito zu leben und zu arbeiten. Bis vor kurzem konnte er selbst in seiner Heimatstadt Rom nahezu unerkannt herumlaufen: ein Weltstar, den keiner kannte. Jetzt...
