Große Männer unter sich
Die Schlacht beginnt mit offenem Visier: Walter Schmidinger tritt hinter einen Notenständer und liest Schillers klappernden Prolog. Jedwedes Rhythmusproblem wird mit Nichtachtung gestraft, der Text demonstrativ melodisch gesungen. Der alte Mime legt schmelzendes Timbre unter jeden Vers, schwingt ausholend die schon zitternde Hand und geht nach zehn süßlichen Minuten stolz ab. Beziehungsvolle Sentenzen von einem «edlen Meister» und «altem Ruhm» werden mit tiefen, wissenden Blicken ins Publikum unterlegt.
Die Nachricht ist nicht zu überhören: Hier spielt das Theatermuseum der alten Schaubühne, selbstbewusst gealtert, und niemand wird sich vor einem verachteten Zeitgeist verstecken. Die alten Cowboys satteln noch mal auf und wollen es wissen, die Degen an der Seite.
Peter Steins «Wallenstein»-Expedition ist ein logistisches Großunternehmen, ein halbes hundert Schauspieler und Statisten nebst komplettem Spielmannszug für knapp dreißig Vorstellungen à zehn Stunden mit vier Pausen in einer leeren Neuköllner Brauereihalle für je 1.200 Zuschauer, eine Produktion des Berliner Ensembles gemeinsam mit Steins Wallenstein GmbH, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Deutsche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das...
Unter Elisabeth Schweeger ist das Frankfurter Schauspiel in den letzten Jahren ausgesprochen projektlustig geworden. Die Verpflichtung der französischen Choreografin und Theatermacherin Wanda Golonka als Hausregisseurin war dabei programmatisch, denn mit Golonka leistet sich Schweeger die konzertierte Abweichung. Normalen Spielbetrieb sucht man in ihren...
Im vergangenen Jahr feierte Athol Fugard, der international gespielte Altmeister des südafrikanischen Theaters, seinen 75. Geburtstag mit einem neuen Stück, «Booitjie & Oubaas» (etwa: Jungchen und Altbauer), in der Regie der erfahrenen Janice Honeyman und mit dem herausragenden Marius Weyers in der Rolle des siechen Alten. Das rührende, wenn auch nicht...
