Keep hanging on
Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man sich von einem deutschen Kulturjournalisten nicht trüben lassen. Vor allem, wenn er gerade über das Thema sprechen will, das im Begriff ist, New Yorks Kulturszene auf den Kopf zu stellen.
Die schlimmste Rezession, die man in den Staaten seit 1929 erlebt hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Existenz-Aus für eine Reihe von New Yorker Theatern bedeuten. Hinter vorgehaltener Hand befürchten viele Szenemacher sogar ein regelrechtes Theatersterben. Ob es sich dabei um Alarmismus oder Realismus handelt, ist nur schwer abzuschätzen, denn in einer solchen Situation hat man sich einfach noch nie befunden. Der Effekt ist zunächst ein neues strategisches PR-Fingerspitzengefühl. Die Binsenweisheit, dass man über Geld nicht spricht, scheint erst recht dann zu gelten, wenn dieses richtig knapp wird.
Bankrott der Spender
Selbst ...
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Schon beeindruckend, wie zwei leidenschaftliche Präzisionsschauspieler auf freier Bühne eine große Nummer bauen: Wie Samuel Finzi den Köder seiner vollgepissten Bierflasche mit pubertärer Erwartungsfreude auslegt, und Wolfram Koch gekonnt ziellos draufzustolpert, wie er das Gesöff lustvoll in sich hineinlaufen lässt und sich der Ekel zeitversetzt wie kleine...
Bombastische Rockmusik. Das Skelett einer Kirche. Nebelschwaden. Ein einsamer Männerschatten zeichnet sich am Bühnenhorizont ab, wandert nach vorn an die Rampe und sagt «Krieg». «Krieg, Krieg, Krieg, Krieg, Krieg.» Die Platte des Propheten hängt. Peter René Lüdicke artikuliert weitere zweihundert Mal «Krieg», gefolgt von heikleren «Hungersnöten» und...
Pleasure, pleasure, pleasure sind die Losungsworte dieser Gesellschaft, die ihren Zenit auch schon überschritten hat. Doppelleben und -moral sind übliches Tagesgeschäft. Liebe nur mehr eine romantische Illusion. Sehnsuchtsträume können allenfalls durch sprechende Vornamen oder Taufregister gestillt werden. Rauchen geht im Tätigkeitsbericht als Arbeit durch, und...
