Keep hanging on
Zurzeit ist es schwierig, jemanden aus der New Yorker Theaterwelt ans Telefon zu bekommen. Seit zwei Monaten redet die Stadt über nichts anderes als den Zusammenbruch der Wall Street, den globalen Finanz-Meltdown, steigende Arbeitslosenzahlen und die anstehende Kreditkartenkrise. Erst seit der Wahlnacht ist die Stimmung besser, und die Obama-Euphorie möchte man sich von einem deutschen Kulturjournalisten nicht trüben lassen. Vor allem, wenn er gerade über das Thema sprechen will, das im Begriff ist, New Yorks Kulturszene auf den Kopf zu stellen.
Die schlimmste Rezession, die man in den Staaten seit 1929 erlebt hat, wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Existenz-Aus für eine Reihe von New Yorker Theatern bedeuten. Hinter vorgehaltener Hand befürchten viele Szenemacher sogar ein regelrechtes Theatersterben. Ob es sich dabei um Alarmismus oder Realismus handelt, ist nur schwer abzuschätzen, denn in einer solchen Situation hat man sich einfach noch nie befunden. Der Effekt ist zunächst ein neues strategisches PR-Fingerspitzengefühl. Die Binsenweisheit, dass man über Geld nicht spricht, scheint erst recht dann zu gelten, wenn dieses richtig knapp wird.
Bankrott der Spender
Selbst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen...
Die derzeitige Krise des Kapitalismus wird – fürchte ich – keine kathartische Wirkung haben, keine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien nach sich ziehen. Da können Theologen prophezeien, dass die Tage der egomanen Geldgier gezählt sind, Feuilletonisten zur Kontrolle der Weltwirtschaftsregeln aufrufen, die Theater Stücke auf den Spielplan rufen, die...
Früher war es einfach selbstverständlich, gegen den Kapitalismus zu sein. Was müssen das für Menschen sein, die allen Ernstes Spaß daran haben, Geld zu machen, dachte man. Das war so absurd, wie den FC Bayern München zu unterstützen. Ich erinnere mich noch, es war Ende der 90er, als ich mit ein paar Freunden in einem Berliner Café saß und eine Ausgabe der...
