Gott trinkt Bier
Etwa so haben sich Generationen von Kindern den «lieben Gott» vorgestellt – mit freundlichem Gesicht unter einer wirren, wilden Mähne aus weißem Haar, der schmale Körper unter einem weiten Umhang, der bis zum Boden reicht. So ähnlich kam Heinz Kreitzen herab gewandelt aus dem Globe-Theater, das Bühnen-Erfinder Bert Neumann in den Prater-Saal der Ostberliner Volksbühne gebaut hatte vor ziemlich genau 25 Jahren. Da spielte er den Dichter Peter Squentz, der die Handwerker in Shakespeares «Sommernachtstraum» durch ein Stück über die Liebe zwischen Pyramus und Thisbe dirigiert.
«Ratten 07», gegründet als Ensemble der Obdachlosen zu Beginn von Frank Castorfs Intendanz an der Berliner Volksbühne, spielten «Handwerker» – und erfanden «ihren» Shakespeare wie neu.
Heinz (bei «Ratten 07» zählten immer nur die Vornamen!) war Mitte der 1990er Jahre zur Gruppe gestoßen; aus dem tiefen Westen hatte es ihn nach Berlin verschlagen. Aus Essen kam er (oder aus Duisburg) und hatte in der Industrie gearbeitet – ein in der Wolle gefärbter Alt-Linker, der sehr rabiat diskutierte und das Gegenüber nicht immer mit- und ausreden ließ; zugleich ein Bühnen-Typ von kaum überbietbarer Präsenz. «Ratten 07» ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Michael Laages
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