«Give me 9/11 every day!»
Manchmal muss man sehr früh aufstehen, um nichts zu verpassen. Als sich an diesem Montagmorgen im Juni ein Grüppchen Menschen beim vereinbarten Treffpunkt im Wiener Museumsquartier eingefunden hat, ist es kurz nach drei Uhr morgens und noch dunkel. Die wackeren Leute sind gekommen, um die Premiere der niederländischen Performance «Het blauwe uur» («Die blaue Stunde») zu erleben.
Um halb vier setzt sich die merkwürdige Gesellschaft in Bewegung; sie wird von einer Assistentin in die malerische Lenaugasse in der nahe gelegenen Josefstadt geführt; vor Ort bekommen die Besucher Holzstühle ausgehändigt, mitten auf der Straße nehmen sie Platz.
Mit der «blauen Stunde» werden jene Tageszeiten bezeichnet, in denen die Sonne Licht spendet, obwohl sie am Firmament nicht zu sehen ist – also kurz vor Sonnenauf- und -untergang. Die Inszenierung der jungen Regisseurin Lotte van den Berg ist so getimet, dass am Ende die Sonne aufgeht; bis dahin passiert allerdings nicht viel. Ein frühmorgendlicher Jogger raucht gierig die erste Zigarette, ehe er sich auf seine Runde begibt; zwei Straßenreiniger parken ihren kleinen Lkw direkt auf der «Bühne» und veranstalten eine Teetassenschlacht; eine ...
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Herr Müller könnte einer jener Menschen sein, die zur Arbeit fahren, die Strecke wie die eigene Hosentasche kennen und kaum noch etwas wahrnehmen. Früh am Morgen sitzt er noch etwas zerstört in der Straßenbahn und hat alles schon tausendmal gesehen. Berührt hat ihn nichts. Passiert ist nie was, sieht man davon ab, dass die eine oder andere Fassade der Mannheimer...
Mit Uraufführungen hat sich das Karlsruher Schauspiel bislang nur wenig hervorgetan. Mit neuer Dramatik schon. Wenngleich überregional noch weitgehend unbemerkt, haben sich die vor drei Jahren gegründeten deutsch-französischen Autorentheatertage «Blickwechsel – Régards croisés» zu einem Glanzlicht im Spielplan entwickelt. Acht Stücke in drei Tagen, je vier aus...
Neulich geriet Armin Petras, den man nicht unbedingt als wortkargen Menschen kennt, auf einem Podium ins Stocken: Der Moderator hatte lässig nachgefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann spekulierte er: «Sechs? Sieben?»
Dürfte in etwa hinkommen: Mehr als siebzig...
