Da fehlt nichts mehr

Bereichernde Beschränkung: Mit deutsch-französischen Autoren-theatertagen und einem Uraufführungsfestival stellt sich das Karlsruher Schauspiel in den Dienst von neuer Dramatik

Theater heute - Logo

Mit Uraufführungen hat sich das Karlsruher Schauspiel bislang nur wenig hervorgetan. Mit neuer Dramatik schon. Wenngleich überregional noch weitgehend unbemerkt, haben sich die vor drei Jahren gegründeten deutsch-französischen Autorenthea­tertage «Blickwechsel – Régards croisés» zu einem Glanzlicht im Spielplan entwickelt. Acht Stücke in drei Tagen, je vier aus Deutschland und aus Frankreich, werden in szenischen Lesungen vorgestellt und anschließend diskutiert, in den meisten Fällen in Anwesenheit der Autoren.

Bemerkenswert ist die Intensität, mit der Regiekräfte und Ensemble nach ultrakurzer Probenphase uneitel, aber spielfreudig den Charakter der Stücke präsentieren. So lobte schon im ers­ten Jahr Marius von Mayenburg die Karlsruher Einrichtung seines Upperclass-Abstiegsangst-Fami­lienstücks «Eldorado», deren flott-trockener Witz ihm treffender schien als die opulent-elegische Uraufführung an der Schaubühne.

Mehrere Einrichtungen – etwa der Bürgerkriegs-Familienthriller «Verbrennungen» von Wajdi Mouawad, Marc Beckers politische Pärchen-Farce «Welt­untergänge» oder Lothar Kittsteins furioses Neue-Armut-Pointenfeuerwerk «Spargelzeit» – waren schon nah dran an der Repertoirereife. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Andreas Jüttner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Es nahen härtere Zeiten

Endlich erhält er Amt und Würden: Martin Kusej, der am Burgtheater Wien übergangene Theaterwolf aus Kärnten, wird Intendant am Bayerischen Staatsschauspiel München. Aber nicht schon 2009, wenn Dieter Dorns Vertrag an diesem Haus offiziell ausläuft und in der deutschsprachigen Theaterlandschaft einer der größten Inten­dantenwechsel seit langem ansteht – vom...

Im Mühlrad der Bilanzen

Alles Lebensglück der Buddenbrooks wurzelt in ihren Bilanzen; und die sehen schlecht aus. Von einstmals 900.000 Vermögen sind der Lübecker Kaufmannsfamilie in der dritten Generation noch 750.000 geblieben. Es hätte längst «eine Million» sein sollen, erinnert Stammhalter Thomas Buddenbrook an das merkantile Wachstumsversprechen der Seinen, während er selbst zum...

Showmasters of the Universe

Und einmal ist doch Schluss mit lustig. Schluss mit Blindsein. Schluss mit so tun als ob. Clov reicht es. Der Diener, der eine altgediente Ehefrau ist, verliert die Nerven und die Spielcontenance und schlägt zu: Die spiegelnde Sonnenbrille fliegt Hamm vom Gesicht, und dahinter ist der Blick: der Matthes-Blick, nackt, stier, angstge-peinigt. Und der Schrei: «Lass...