Da fehlt nichts mehr
Mit Uraufführungen hat sich das Karlsruher Schauspiel bislang nur wenig hervorgetan. Mit neuer Dramatik schon. Wenngleich überregional noch weitgehend unbemerkt, haben sich die vor drei Jahren gegründeten deutsch-französischen Autorentheatertage «Blickwechsel – Régards croisés» zu einem Glanzlicht im Spielplan entwickelt. Acht Stücke in drei Tagen, je vier aus Deutschland und aus Frankreich, werden in szenischen Lesungen vorgestellt und anschließend diskutiert, in den meisten Fällen in Anwesenheit der Autoren.
Bemerkenswert ist die Intensität, mit der Regiekräfte und Ensemble nach ultrakurzer Probenphase uneitel, aber spielfreudig den Charakter der Stücke präsentieren. So lobte schon im ersten Jahr Marius von Mayenburg die Karlsruher Einrichtung seines Upperclass-Abstiegsangst-Familienstücks «Eldorado», deren flott-trockener Witz ihm treffender schien als die opulent-elegische Uraufführung an der Schaubühne.
Mehrere Einrichtungen – etwa der Bürgerkriegs-Familienthriller «Verbrennungen» von Wajdi Mouawad, Marc Beckers politische Pärchen-Farce «Weltuntergänge» oder Lothar Kittsteins furioses Neue-Armut-Pointenfeuerwerk «Spargelzeit» – waren schon nah dran an der Repertoirereife. ...
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