Kugelschreiber und Sinnlos
Versuch über einen Zustand für drei Spielerinnen und zwei Spieler», so lautet der Untertitel des diesjährigen Gewinnerstücks des Retzhofer Literaturpreises, das in der nächsten Spielzeit am Schauspiel Chemnitz uraufgeführt wird. Die Versuchsanordnung: eine baufällige Showtreppe inmitten einer wild verwahrlosten Wiese, einer Industriebrache, eine «blühende Landschaft, finanziert von Europageldern zum Aufbau Ost».
Die Spieler: ein Sachbearbeiter, kurz «Kugelschreiber» genannt; zwei ihm dienliche Sachbearbeiterinnen (eine Prinzessin und ein Engel mit schief rostigen Flügeln); eine Frau im Dirndl, ehemals berühmtes Funkenmariechen, das durch einen Fehler im Verkaufssektor arbeitslos geworden ist, und schließlich noch der Mann, der sinnlos erscheint, signifikant als «Sinnlos» bezeichnet.
Kaum sind alle versammelt, kann sie schon losgehen, die «Greatful Beginning Show». Salbungsvoll und begleitet von orchestraler Revue-Musik entertaint Kugelschreiber einem Showmaster gleich vor seiner illustren «Gemeinde» die Schöpfungsgeschichte des Menschen, die Erschaffung eines Wesens aus Staub: der König der Welt, auserkoren zu wirken, zu bauen und niemals dem Stillstand anheim zu fallen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 162
von Esther Holland-Merten
Simon Stephens, der britische Autor mit dem Sinn für die Underdogs und die großen und kleinen Tragödien hinter den politischen Verhältnissen unserer Zeit, schickt sich an, gemeinsam mit dem Regisseur Sebastian Nübling König Ubu, alias Vater Ubu, alias Ubu Roi den Prozess zu machen. Jener anarchisch-bösen Theaterfigur also, die Alfred Jarry als Vorläufer der...
Franz Wille Herr Baumbauer, Sie haben sich 2000 in Hamburg nach sieben Jahren vom Deutschen Schauspielhaus verabschiedet, als das Theater auf der Höhe seines Erfolgs war. Danach in München 2001 war der Start nicht einfach; es hat gedauert, bis sich die Kammerspiele in der Außenwahrnehmung und beim Publikum durchgesetzt haben. Jetzt verabschiedet sich Herr...
Wie wäre es, könnte man an dieser Stelle nicht nur von Plänen erzählen, sondern wüsste schon, wie das Stück und seine Inszenierung würden? Wäre das wünschenswert? All die kühnen Ideen, Hoffnungen und Projekte blühen doch am buntesten in der Vorstellung. Es ist die Lust am Risiko und, allen Einwänden zum Trotz, der Wunsch, das Theater, die Kunst einmal mehr auf die...
