Gespräch mit (lebenden) Toten
Dieses Jahr darf ich beim Schweizer Dramenprozessor junge Autor:innen beim Erarbeiten ihrer Stücke begleiten. Es geht viel um dramaturgische Fragen, auch um solche des Schreibprozesses: Wann ist der Moment für Improvisation, wann für Struktur? Und wie komme ich überhaupt zu den Harmonien und Tonleitern, damit ich bei jeder Schreib-Jam-Session mit dem Stück vorankomme?
In einer Sitzung aber habe ich den Schreibenden drei Fragen gestellt, die uns so oder so ähnlich Lukas Bärfuss vor 15 Jahren am Schweizerischen Literaturinstitut mitgegeben hatte:
1.
Warum schreibt ihr fürs Theater?
2. Was ist euer Ziel, euer Traum fürs dramatische Schreiben?
3. Woran merkt ihr, dass ihr Erfolg habt?
Mir gefallen diese Fragen, weil sie Platz für Idealismus und Schwärmerei, aber auch für Ehrgeiz lassen. Und auch an die ursprüngliche Begeisterung fürs Theater rühren, die doch von Theatermensch zu Theatermensch verschieden ist.
Meine ersten bewussten, prägenden Theatermomente waren am Schauspiel Leipzig. Restekarte an der Abendkasse für fünf Euro, reingegangen, wann immer man konnte, alles angeschaut, aufgesaugt, nicht alles verstanden. Als Jugendlicher war da ganz weit hinten im Kopf, gut versteckt, ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Wolfram Höll
Am Ende herrscht Chaos auf der Bühne: äußeres Bild als Ergebnis innerer Vorgänge. Ist ja ein alter Theatertrick: in Ordnung beginnen, zum Beispiel auf einer leeren, schwarz ausgekleideten Bühne. Dann Stück für Stück selbige verdrecken mit Erde, Schlamm, Lametta und Rotweinblut. Der Scheinwerferhimmel senkte sich Stück für Stück ab und engt nun ein. Gießkannen,...
Man hört, bevor man sieht, schnelle Schritte, keuchenden Atem, Hundegebell und ein Platschen wie von einem Sprung ins Wasser. Auf einen Gazevorhang projiziert, schwappen nächtliche Wellen, dann ist da plötzlich ein Gesicht, Angst in aufgerissenen Augen: ein Mensch auf der Flucht, der gerettet wird – und sich am Ende resigniert die Kugel geben wird.
Maria Lazars...
Die meistdiskutierte Produktion dieser Wiener Festwochen fand dann gar nicht statt. Am 7. Juni war im Hotel Intercontinental ein von Intendant Milo Rau moderiertes Gespräch zwischen dem US-amerikanischen Tech-Unternehmer und Investor Peter Thiel und dem österreichischen Theologen Wolfgang Palaver angesetzt, es wurde aber kurzfristig abgesagt.
Der Paypal-Mitgründer...
