Geschichten vom Gelingen

Kolumne Nicola Bramkamp

Theater heute - Logo

Wenn wir im Theater eins gut können, dann die Verdichtung gesellschaftlicher Themen zu dramatischem Stoff. Das, was in den letzten Monaten in dem kleinen Dorf Lützerath in NRW passiert ist, ist der Stoff, aus dem monumentale Geschichten gesponnen werden, eine antike Tragödie, ein Erzählmuster, dass sich die Menschheit seit Jahrtausenden erzählt: David gegen Goliath, Sieben gegen Theben. Aber auch: das Orakel von Delphi, das die Apokalypse prophezeit und die Suche einer Gesellschaft nach dem Ursprung kollektiver Schuld.

Wir alle stecken mitten in dieser großen Erzählung, wir wissen, dass wir auf einen Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte zusteuern, schauen und lesen täglich von dramatischen Veränderungen, sehen einige wenige Held:innen aufbegehren und fühlen uns meistens: ohnmächtig.

Obwohl das Theater seit seiner Entstehung von fast nichts anderem als von Krisen und Katastrophen handelt, tun wir uns schwer damit, die Klimakatastrophe zu erzählen, das ist zumindest meine Beobachtung. Seit 2014 bin ich als künstlerische Leiterin von SAVE THE WORLD auf der Suche nach theatralen Umsetzungen, die die Klimakrise für die Bühne bearbeiten. Ich sehe und finde einiges Großartiges, aber ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 4 2023
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Nicola Bramkamp

Weitere Beiträge
Alles nicht so gemeint

Erstaunliches ist der Volksbühne gelungen. Na ja, gelungen. In einem kollaborativen Kraftakt schafften es verdiente Kräfte des Hauses samt Überraschungsgästen, dem schon seit geraumer Zeit langsam, aber sicher ins Nervtötende lappenden künstlerischen Programm des Infantilisten Jonathan Meese ein nicht unerstaunliches Quantum neues Leben einzuhauchen. In gut zwei...

Theater seiner Zeit

Das 1995 im Henschelverlag erschienene Theaterlexikon der DDR würdigt den am 14. Februar dieses Jahres verstorbenen Friedo Solter als überaus vitalen, sinnlich, gestisch und sprecherisch wirkungsvollen Schauspieler und preist seine Regiearbeiten als maßstabsetzend an, «weil er auf lange Zeit einen gültigen Beitrag zur Rezeption des klassischen Erbes geleistet» und...

Parents terribles

Es ist ein Märchenwinter unter den Schweizer Jungdramatiker:innen. Schon wieder «Hänsel und Gretel»: Nach Kim de l’Horizons ökoqueerem Update in Bern, in dem Gretel sich als Klima-Greta outete, nimmt sich jetzt Alexander Stutz in St. Gallen den kannibalistischen Stoff vor, und seine Grethel, merkwürdigerweise mit h geschrieben, ist so ziemlich das Gegenteil der...