Geschichten, die Körper werden
Waren Sie schon mal aufgeregt?», fragt die Schauspielerin Lucia Kotikova ins Berner Publikum. Sie selbst sei so aufgeregt wie noch nie – sie gehe jetzt gleich nochmal raus, und vielleicht könnten wir ja dann applaudieren, wenn sie wieder hereinkomme, das würde ihr vielleicht helfen? Mit feiner Selbstironie tritt Lucia Kotikova im Kammerspiel der Bühnen Bern, der kleinen Vidmar-Halle, vor das Publikum und fordert es zur Identitätsfindung heraus.
Natürlich geht sie nicht noch einmal ab (obwohl sie die Türfalle quasi in der Hand hat), sondern erst nach anderthalb Stunden, wenn sie ihr furioses Solo beendet haben und das Publikum hingerissen applaudieren wird.
«Kennt ihr das, wenn ihr reinkommt, und die ganzen Verwandten sind da?», fragt Koti -kova und hat uns schon. Beinahe unmerklich gleitet sie von der Performerinnen-Kunstfigur in die Horizonsche Erzählfigur: «Na, wie geht’s dir, Kind? Das Kind will etwas sagen. Es spürt den Blutbuchensämling im Bauch. Er wächst.» Ein kurzes Räuspern, ein Wechsel in der Stimmlage, die erzählende Behauptung ist in die lockere Publikumsansprache eingezogen.
Regisseur Sebastian Schug setzt sparsame, prägnante Orientierungsmarken im Wechsel der Ebenen ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Andreas Klaeui
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