Göttinnendämmerung

Robert Borgmann führt mit seiner «Athena» am Residenztheater die «Orestie» und ihre Vision einer weltlichen Herrschaft der Vernunft hart an den Rand des Abgrunds

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Zwischen weltabgewandter Verstiegenheit und künstlerischer Radikalität liegt manchmal nur ein hauchfeiner Grat. Auf dem balanciert, in beide Richtungen durchaus absturzgefährdet, Robert Borgmanns «Athena» im Marstall des Münchner Residenztheaters. Statt wohlmeinender «Eumeniden», wie der letzte Teil der Orestie bei Aischylos überschrieben ist, hat Borgmann den Namen der Göttin in den Titel gerückt, die im Original den unseligen Kreislauf aus Mord und Rache unterbricht, indem sie beim abschließenden Scherbengericht mit einem weißen Stein für Orests Freispruch stimmt.

Doch dies wird in Borgmanns posttraumatischer Kunstwelt so nicht stattfinden. Die Urszene der Demokratie, mit der die Verantwortung für sein Tun, aber auch für die Organisation der Gesellschaft an den Menschen übergeht, ist der Sorge um sie gewichen, die in Satzfetzen aus Politikerreden von Steinmeier bis Trump schon vor Beginn akustisch den Raum füllt.

Am Residenztheater erfüllt sich damit zugleich ein Coup der Dramaturgie, alle drei Teile der «Orestie» in einer Spielzeit in drei Regiehandschriften und an den drei Spielstätten des Hauses aufzuführen. Den Auftakt machte Ulrich Rasches «Agamemnon», der bereits 2022 als ...

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Theater heute April 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Silvia Stammen

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