Göttinnendämmerung
Zwischen weltabgewandter Verstiegenheit und künstlerischer Radikalität liegt manchmal nur ein hauchfeiner Grat. Auf dem balanciert, in beide Richtungen durchaus absturzgefährdet, Robert Borgmanns «Athena» im Marstall des Münchner Residenztheaters. Statt wohlmeinender «Eumeniden», wie der letzte Teil der Orestie bei Aischylos überschrieben ist, hat Borgmann den Namen der Göttin in den Titel gerückt, die im Original den unseligen Kreislauf aus Mord und Rache unterbricht, indem sie beim abschließenden Scherbengericht mit einem weißen Stein für Orests Freispruch stimmt.
Doch dies wird in Borgmanns posttraumatischer Kunstwelt so nicht stattfinden. Die Urszene der Demokratie, mit der die Verantwortung für sein Tun, aber auch für die Organisation der Gesellschaft an den Menschen übergeht, ist der Sorge um sie gewichen, die in Satzfetzen aus Politikerreden von Steinmeier bis Trump schon vor Beginn akustisch den Raum füllt.
Am Residenztheater erfüllt sich damit zugleich ein Coup der Dramaturgie, alle drei Teile der «Orestie» in einer Spielzeit in drei Regiehandschriften und an den drei Spielstätten des Hauses aufzuführen. Den Auftakt machte Ulrich Rasches «Agamemnon», der bereits 2022 als ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Silvia Stammen
Die Verschränkung von Kapitalismus und Pa -triarchat wird nirgendwo brutaler verhandelt als an weiblich gelesenen Körpern. Wenn die Form dieser Körper nicht der Norm entspricht, fällt das Urteil umso härter aus. In Laura Linnenbaums Bühnenadaption von Daniela Dröschers «Lügen über meine Mutter» ist es der mehrgewichtige Körper der Mutter, der als Zielscheibe der...
Daten
Premieren im April · On Tour/Freie Szene · Festivals · Suchlauf TV und Streams · Showroom · Links zu allen deutschsprachigen Bühnen auf theaterheute.de
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
24. Akhtar, The Who and the What
R. Alexander Ritter
ALTENBURG/GERA, THEATER
13. von Praunheim, Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs
R. Damian Popp
AUGSBURG, SENSEMBLE THEATER
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Bunker, unfertiger Rohbau, Grenzstation, Kriegsschiff: Ein genial assoziationsreiches, multifunktionales Bühnenbild hat Katja Haß ins Stuttgarter Schauspielhaus bauen lassen. Es fährt zu Beginn beängstigend direkt aufs Publikum zu. Look aus rohem Beton, abweisend, aber praktisch zu bespielen: oben eine Aussichtsplattform, innen eine steile Treppe, die ins...
