Auf der Suche nach dem Kern
Wie spielt man einen jungen Mann, der beschlossen hat, Céline Dion zu sein? Und zwar ohne einen Anflug von Overacting oder ironischer Distanz? Die französische Erfolgsdramatikerin Yasmina Reza wühlt in ihrer zugegebenermaßen nicht besonders tiefenscharfen Komödie «James Brown trug Lockenwickler» mit dieser Setzung im Klärschlamm ressentimentbeladener Identitätsdebatten.
Fragen wie Wer darf was sein, sagen oder spielen? und Wie reagiert man darauf? wirbeln da wild durcheinander, wobei vor allem die Eltern aus finanziell abgefedertem Middleclass-Milieu mit ihrer gutgemeinten Schein-Toleranz mehr oder weniger im Dunkeln tappen und sich dabei unfreiwillig als latent rassistisch und anti-woke outen, wenn sie ihren in ein psychiatrisches Wellness-Sanatorium abgeschobenen Sohn besuchen.
Vincent zur Linden als Jacob/Céline gelingt das Kunststück, gleichzeitig traumtänzerisch und sehr geerdet über all diesen Abgründen und Fallstricken zu balancieren. Zum einen, indem er keinen Moment lang den Eindruck erweckt, eine Frau zu spielen, sondern eher wie ein Kind ganz konkret jede Situation als Spielvorgabe aufnimmt. Und zum anderen, indem sich die Frage nach dem binären Geschlecht mit seiner ...
VINCENT ZUR LINDEN, 1994 in Düsseldorf geboren und aufgewachsen, studierte Schauspiel von 2013 bis 2017 an der Otto Falckenberg Schule in München. Vor und während des Studiums gastierte er an den Münchner Kammerspielen, am Münchner Volkstheater und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Festengagements in Bielefeld und Basel, seit der Spielzeit 2022/2023 am Münchner Residenztheater
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Theater heute April 2024
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Silvia Stammen
Die Hölle, das ist die Gemäldegalerie. Zumindest, wenn sie so kuratiert ist wie die, die Nadin Schumacher in die neu eröffnete Kleinbühne «Werkstatt» in der Thalia-Nebenspielstätte Gaußstraße gebaut hat: Einige Bilder sind beschmiert oder zerrissen, an einer Stelle hängt nur ein leerer Rahmen, ein weiterer Rahmen ist beschädigt, vor allem aber passt nichts...
Das Leben als Kulturstaatsministerin ist eine große Herausforderung. Zum Beispiel das Kunststück, bei der Berlinale-Preisverleihung gleichzeitig zu klatschen und nicht zu klatschen. Als «No Other Land» des Israelis Yuval Abraham und des Palästinensers Basel Adra ausgezeichnet wurde, sprach Abraham von einer israelischen Politik der «Apartheid», und Adra warf der...
An schlechten Tagen wacht sie gar nicht auf, hat sich ins Schlafzimmer zurückgezogen, ist zugedröhnt von ihren Tabletten und überlässt ihre drei Kinder sich selbst. An guten Tagen aber steht sie plötzlich mit der Badetasche im Flur, macht Stress, ob die Schwimmsachen für den Ausflug ins Hallenbad schon eingepackt sind. Im Auto läuft Musik, «Bello e impossibile»,...
