Alltag als verkehrte Welt
In Wien starb im Alter von 91 Jahren der deutsche Theaterregisseur Dieter Giesing. Im ostpreußischen Klaipeda (heute Litauen) geboren, flüchtete er 1944 mit seiner Familie nach Tübingen, studierte dort Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte, schloss sich einer Studentenbühne an und bekundete großes Interesse für die Theaterarbeit von Erwin Piscator, der im Tübinger Landestheater im November 1954 Arthur Millers «Hexenjagd» inszenierte.
Piscator engagierte Giesing als Assistent und förderte sein Talent zur Regie, nahm ihn mit nach Essen.
Als Piscator 1960 an den Münchner Kammerspielen «Don Carlos» inszenierte, wurde sein Assistent Giesing von Hans Schweikart und August Everding fest an die Kammerspiele engagiert. Im Mai 1964 konnte Giesing hier erstmals inszenieren: «Die Kollektion» von Harold Pinter.
Dramaturg der Kammerspiele war in jenen Jahren Ivan Nagel, der Fritz Kortner zu betreuen hatte, bei dem Peter Stein hospitierend das Studententheater hinter sich lassen wollte und dem Everding eine Regie im Werkraumtheater anvertraute: Edward Bonds «Gerettet». Intendant Hübner lockte Stein mit einem Regieangebot nach Bremen. Nagel kündigte und ging zur «Süddeutschen Zeitung». Kurz ...
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Theater heute März 2026
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Klaus Völker
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