Gelebte Utopie
Das Frankfurter Künstler:innenhaus Mousonturm riecht nach gedünstetem Gemüse. Im Foyer wird geschnippelt und gespült, das Theaterrestaurant hat sich in eine Großküche verwandelt, mit dampfenden Töpfen und zischenden Pfannen. Der Mousonturm im Gründerzeitviertel Bornheim, vor genau 100 Jahren errichtet als Seifenfabrik und seit 1988 ein Produktionshaus für experimentelles Theater mit internationaler Ausstrahlung, wurde zeitweilig zurückgebaut zu einem Arbeitsort, in dem Anwohner:innen gemeinsam kochen. Und essen.
Entworfen wurde die Küchenarchitektur explizit als Bühnenbild vom Kollektiv YRD. Works (Yacin Boudalfa, Ruben Fischer und David Bausch), angeleitet wird der Betrieb von Profiköch:innen, inhaltlich wie ästhetisch unterfüttert von Eleonora Lena Herder (künstlerische Leitung) und Nepomuck Bendukat, die unter dem Label andpartnersincrime spezialisiert sind auf künstlerisch-soziale Interventionen.
«Trad is a Trad – Für eine neue Frankfurter Stadtteilküche» nennt sich das Projekt, das ursprünglich halblegal im ökonomisch schwachen Stadtviertel Riederwald beheimatet war und für zwei Monate ins schwer durchgentrifizierte Bornheim umzieht. «Die geordneten Abläufe der Küche werden ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Falk Schreiber
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