Politischer Hanf
Seit Monaten, wenn nicht Jahren hadert das deutsche Land verstärkt mit sich selbst, speziell mit den Spätfolgen seiner Teilung. Politiker, Soziologen, Journalisten und andere Alltagsbeobachter legen die Nation auf die Couch.
Wie denken die Ostdeutschen? Sind sie psychisch von Transformationserfahrungen zerrüttet? Sind ihre Biografien von der Wende zerstört worden? Wie viel ist ihnen die Freiheit wert? Warum wählen sie, was sie wählen? Wurden sie benachteiligt und bevormundet oder fühlen sie sich nur so? Sind sie in Führungspositionen unterrepräsentiert? Haben die qualifizierten Arbeitnehmer:innen und jungen Frauen den Osten verlassen und in ein reaktionäres Renterund Männerland verwandelt?
Auch die Westdeutschen sind nicht ohne Störgefühl. Reicht es nicht so langsam mit ostdeutscher Anspruchsunverschämtheit, meint ein Münchner Historiker? Haben sie vielleicht Milliarden investiert, nur um Putin-Versteher und über 40 Prozent AfD-Wähler zu päppeln? Wie stabil ist die liberale Demokratie?
Das Deutsche Theater Berlin reagiert auf die köchelnde Debatte zur Saisoneröffnung drei Wochen nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt mit an Ignoranz grenzender Gelassenheit. Das Eröffnungsangebot, eine ...
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Theater heute November 2026
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Franz Wille
Es ist eine der am seltensten gespielten Tragödien von Sophokles, und eine seiner erstaunlichsten: «Die Trachinierinnen», die Frauen (eigentlich Mädchen) von Trachis. Der Luzerner Altsprachler Kurt Steinmann, Spezialist für lebensnahe Klassiker-Übertragungen (vgl. das Porträt in TH 6/2021), hat sie für eine Zürcher Inszenierung von Jossi Wieler neu übersetzt, diese...
Es geht wie bei Jan-Christoph Gockel üblich um die großen Fragen. Auch dieses Mal, nach seinem gefeierten «Wallenstein» an den Münchner Kammerspielen über den russischen Söldnerführer Jewgeni Prigoschin und den Kriegsherrn Wallenstein, interessiert er sich für die Mechanismen des Krieges. Nur sind jetzt nicht die wenigen da oben im Fokus, die Befehlshaber, sondern...
Es beginnt im Regen. Auf drei sechs Meter hohen Stangen präsentieren die drei Artist:innen von Gratte Ciel im Ilmpark «RoZéO». Halbnackt und in langen Röcken drehen sich die drei Neue-Zirkus-Performer wie Derwische oder schaukeln beängstigend über den Köpfen (und Regenschirmen) des zahlreich versammelten Publikums. Heute ist Kunstfest, da kann so ein bisschen Regen...
