Geld, High Heels und Alkohol

Rainer Werner Fassbinder «Die bitteren Tränen der Petra von Kant» in Halle

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Ein spielwiesenbreites Bett, eine Lagerstatt wie die Kommandobrücke eines Luxusliners auf übereinander gestapelten Podesten. Mit versteckten Schubkästen für die wichtigen Dinge im Alltag der Mode-Kapitänin Petra von Kant: nämlich Geld, Laptop, High-Heels, Alkohol.

Susanne Maier-Staufen hat für Fassbinders Melodram einer Domina, die schamlos ihre
Untertanen tritt, ein Setting von schlagender Klarheit entworfen. Dessen spektakuläre Oberfläche wird von Regisseur Maik Priebe peu à peu zerstochen und zerrissen.

Aus dem Grell-Hysterischen, aus Lesben-Affaire und (Ehe-) Männer-Bashing, Erfolgsgier, Emanzenauftrieb und Allmachttrieb wird in 100 Minuten etwas finster Abgründiges: Eine Tragödie, gespeist von vergeblicher Herzenssuche und schmerzlicher Ohnmacht durch den Verlust von Lebenslust und Daseinssinn.

Nicoline Schuberts Lady von Kant ist ein tolles, bei aller Panzerung durch Aggressivität extrem dünnhäutiges Zwitterwesen: Eine fahrig Fiebrige und kalt Herrische, eine kühne Intellektuelle und weinerliche Göre, rasend Erniedrigende sowie Sich-selbst-Kleinmachende. Ihr Widerpart ist Danne Hoffmann als Karin Timm, die Kantsche Vergeblichkeitsliebe – vom Kostüm der Schubert frappierend ...

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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 49
von Reinhard Wengierek

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