Ibsen «Die Wildente»
Das stärkste Bild hat Karin Henkel an den Anfang gesetzt: Nebel, der alles überdeckt. Nur schemenhaft erkennt man darin Menschen und Raumumrisse. Unschärfe als Gebot der Stunde? Von bürgerlichem Realismus ist wenig zu merken, stattdessen hat Henkel ihre Inszenierung irgendwo zwischen expressionistischem Stummfilm und Film noir angesiedelt. Dazu gibt es einen düster-dunklen Soundtrack mit Hollywoodemphase.
Auch nach dem Anfangseffekt will sich nicht klären, warum die Bühne bevölkert ist von Karikaturen und Zombies, die mit expressionistischer Gestik, mal mehr, mal weniger weißgeschminkten Gesichtern und merkwürdigem Gehabe ausgerechnet Ibsen spielen. Vielseitig interpretierbar erscheint der Bühnenaufbau von Janina Audick. Die mehrstöckige Drehbühnen-konstruktion erinnert mal an ein Kreuzfahrtschiff, mal an eine überdimensionale Torte.
Über allem thront ein rotes Leuchtherz, wie zur Erinnerung, dass es hier auch um Zwischen-menschliches geht – oder gehen sollte. Denn ganz grundsätzlich handelt «Die Wildente» von Lebenslügen in bewährter Ibsen-Manier. Auf die eine oder andere Weise hat hier jeder jeden betrogen, nur Hedwig, das Mädchen, ist unschuldig – und in Frankfurt unerbittlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 46
von Kristin Becker
Mit neuer Dramatik sind Münchner Theatergänger in den letzten Jahren nicht allzu oft konfrontiert worden. Johan Simons pflegt an den Kammerspielen als Uraufführungen, ganz im Stil des Vorgängers Frank Baumbauer, vor allem Roman- und Filmbearbeitungen, wenn sich nicht gerade ein neues Werk von Elfriede Jelinek oder René Pollesch bietet oder Sebastian Nübling Lust...
Ein Küken ist in die Jauchegrube gefallen. Der ganze Bauernhof versammelt sich, setzt Gott und die Welt in Bewegung, um das winzige Wesen zu bergen – und um es, kaum dass es dem Tod entrissen und gesäubert ist, zart in Butter zu braten und zu verspeisen. Ja so san’s, die bayerischen Bauern: herzensgut und saubrutal.
Josef Bierbichler, der diese kleine gemeine...
Im Jubiläumsjahr 2011 ist Heinrich von Kleist 200 Jahre tot und Adolf Dresen, der in den 70er Jahren ein großer Kleist-Regisseur in der DDR war, zehn. «A. ist jetzt tot», mit diesem Satz enden viele Kapitel der «Bilder von A.», in denen ohne große Versteckspielerei Barbara Honigmann die Geschichte ihrer schwierigen Liebe zum 15 Jahre älteren Dresen erzählt, durch...
