Ibsen «Die Wildente»
Das stärkste Bild hat Karin Henkel an den Anfang gesetzt: Nebel, der alles überdeckt. Nur schemenhaft erkennt man darin Menschen und Raumumrisse. Unschärfe als Gebot der Stunde? Von bürgerlichem Realismus ist wenig zu merken, stattdessen hat Henkel ihre Inszenierung irgendwo zwischen expressionistischem Stummfilm und Film noir angesiedelt. Dazu gibt es einen düster-dunklen Soundtrack mit Hollywoodemphase.
Auch nach dem Anfangseffekt will sich nicht klären, warum die Bühne bevölkert ist von Karikaturen und Zombies, die mit expressionistischer Gestik, mal mehr, mal weniger weißgeschminkten Gesichtern und merkwürdigem Gehabe ausgerechnet Ibsen spielen. Vielseitig interpretierbar erscheint der Bühnenaufbau von Janina Audick. Die mehrstöckige Drehbühnen-konstruktion erinnert mal an ein Kreuzfahrtschiff, mal an eine überdimensionale Torte.
Über allem thront ein rotes Leuchtherz, wie zur Erinnerung, dass es hier auch um Zwischen-menschliches geht – oder gehen sollte. Denn ganz grundsätzlich handelt «Die Wildente» von Lebenslügen in bewährter Ibsen-Manier. Auf die eine oder andere Weise hat hier jeder jeden betrogen, nur Hedwig, das Mädchen, ist unschuldig – und in Frankfurt unerbittlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 46
von Kristin Becker
An einem verregneten Sommerabend Ende der neunziger Jahre kehrte dieser heimatlose Odysseus nach München zurück – nicht an eines der beiden großen Bühnengestade dies- und jenseits der Maximilianstraße, an denen Heinz Bennent in den siebziger und achtziger Jahren der hellste und fernste Stern gewesen war: am Residenztheater als Ingmar Bergmans Andersen in Per Olov...
Daniel Kehlmann betrat die Theaterszene über die Showtreppe: Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2009 hielt der Wiener Romancier eine Brandrede gegen das «Regietheater» – und wurde von Schauspielchef Thomas Oberender umgehend mit einem Stückauftrag bedacht. Weil Kehlmanns dramatisches Debüt nicht rechtzeitig fertig wurde, fand die Uraufführung dann aber doch...
Hans Neuenfels, geboren am 31. Mai 1941, gehört zu einem phänomenal talentierten Theater-Jahrgang. Auch die Schauspieler Bruno Ganz, Otto Sander und Gert Voss wurden 1941 geboren; ebenso Hermann Beil und Wolfgang Wiens, Dramaturgen von direktorialer Statur; die Regisseurskollegen Jürgen Flimm und Klaus Michael Grüber; und viele mehr ...
Was trieb sie alle in den...
